Er war neben Rolf Kühn (1929-2022) und Karl Berger (1935-2023) ein grosser Transatlantiker des deutschen Jazz.
Jahrzehnte hat er in New York gelebt und hatte noch sehr lange, parallel zu Göttingen, eine „Butze“ dort.
Unfassbar das Spektrum derer, die er getroffen, mit denen er dort, aber auch in Europa gespielt hat:
Thelonious Monk, Benny Goodman, Lionel Hampton, Jimi Hendrix, Anthony Braxton, Archie Shepp, John McLaughlin, Hans Werner Henze, Daniel Barenboim...
Er dürfte der adaptionsfähigste deutsche Jazzmusiker gewesen sein. Er trat auch in hohem Alter dort auf, wo Kollegen abgesagt hätten. Dünkel waren ihm fremd. Attribute wie "Freigeist" (FAZ) oder "ewiger Hipster" (SZ) treffen zu. Nur schaute das outfit des Hipsters in den frühen 60ern, der auf Modenschauen des Herrenausstatters Selbach in Düsseldorf spielte (und Monk zum Kauf piekfeiner Anzüge verleitete) anders aus als desjenigen, der Jahrzehnte später mit der Jazzkantine der Bühne stand.
Mehr noch als Peter Kowald (1944-2002) war er in die afro-amerikanische Community integriert; aus der Ehe mit der afro-amerikanischen Sängerin Jeanne Lee (1939-2000) gingen zwei Kinder hervor, Ruomi und Cavana. Er ist mit ihnen bis kurz vor seinem Tod aufgetreten.
Begonnen hat er mit dem Akkordeon, dem Instrument von Vater und Großvater (aus Schlesien). "Mir ist der Jazz direkt vor die Haustür gebracht worden" - durch einen GI, der seine Gitarre vom Transporter holte, als der Junge mit dem Akkordeon vor ihm stand.
Lionel Hampton ließ ihn, wie es so seine Art war bei Konzerten, an sein Vibraphon, der Teenager kannte dessen Stücke so gut, dass die Big Band weiterspielen konnte.
Es wurde sein Hauptinstrument, neben der Baßklarinette, er spielte aber auch Flöte, aber auch alle Saxophon-Arten. Er war ein Improvisator par excellence, aber auch Wegbereiter des europäischen FreeJazz, z.B. mit seinem Album "Heart Plants" (1964) - ohne an der „Kaputtspielphase“ Ende der 60er Jahre beteiligt gewesen zu sein.
Das amerikanische Magazin down beat will schon damals in ihm einen „Romantiker“ erkannt haben - was er nicht zurückweist.
Für bedeutsamer hielt er das erste von zahllosen Alben auf seinem eigenen Birth Records Label: "8th of July 1969", mit Braxton, Breuker und Jeanne Lee.
Der Improvisator Hampel: ja, aber der Komponist von - nach eigenen Angaben - 3.000 Stücken überzeugte die Musikwissenschaft (Dietrich J. Noll, Ekkehard Jost) weniger: "ein direkter Zusammenhang zwischen Thema und Improvisation läßt sich selten konkret angeben."
Nicht zuletzt war er ein großer Geschichtenerzähler (Speak like a Child), ein Freund origineller Vergleiche: "Borussia Dortmund ist die perfekte Inkarnation einer wirklichen Jazzband."
Gunter Hampel, geboren am 31. August 1937 in Göttingen ist am 18. Mai 2026 in Berlin verstorben. Er wurde 88 Jahre alt.
RIP von Hans Martin Müller (Loft Köln)
erstellt: 21.05.26
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Er wird in keinem Jazzlexikon stehen.
„Das 55. moers festival will seinem Publikum und allen beteiligten Künstler*innen fünf Tage klangliche Âventiure und Wirklichkeitsflucht ermöglichen — eine Wirklichkeitsflucht, die imstande ist, uns zu verzaubern und die Realität zu entzaubern“, verspricht Isfort.
Das Festival dient jeweils auch als der prominenteste Auftrittsort für einen Künstler, der dank eines Stipendiums das ganze Jahr über in Moers wirken kann: der/die in Geschlechterparität ausgewählte
Die meisten Nachrufer sind sich hinsichtlich seine 
Recht neu, weil erst zum zweiten Male ernannt, sind die 
Hätte der Vatikan je einen Abgesandten für die Jazzbühne bestimmt - die Wahl hätte auf ihn fallen müssen. Jedenfalls vom Habitus her.
Dort ist bis zum 13. Juni 2026 ein großer Teil des Nachlasses von „Stuttgarts great son“ (wie die Witwe ihn schon zu Lebenszeiten ausgerufen hat) zu sehen.
Die aus Sicht der Jazzszene prominenteste Berufung ist vergangene Woche erfolgt: