Sein Name ging selten einher ohne lobende Erwähnung derer, die sich auf ihn beriefen.
Und das waren nicht die Geringsten: Herbie Hancock (der ihn allerdings in seiner Autobiografie unerwähnt lässt) oder Keith Jarrett:
„Ahmad Jamal war der avancierteste unter den frühen Leuten (Pianisten), die ich gehört habe“.
Allen voran Miles Davis: „Alle meine Inspiration kommt von Ahmad Jamal“.
Der Pianist Hal Galper konnte als noch toppen:
„Ahmad Jamal hat den Jazz ebenso stark beeinflusst wie Louis, Duke, Bird, Coltrane und Miles. Sicher, Miles hat ihn von Zeit zu Zeit gelobt, aber Ahmads wichtigste Beiträge müssen erst noch anerkannt werden.“
In einem Interview auf seiner Homepage (2000) liefert er, zumindest für Miles Davis und John Coltrane, eine Begründung.
In Jamals „Pavanne“ (1955) findet Galper einen ähnlich vamp über D und Es wie bei Miles Davis´ „So What“ dreineinhalb Jahr später. Mehrere Töne im Gitarrensolo von Ray Crawford im selben Stück sind die gleichen wie sechs Jahre später bei John Coltranes „Impressions“.
Jamal begann früh auf dem Piano - und nicht nur in einem Stil:
„Wir haben nicht zwischen den beiden Schulen getrennt. Wir haben Bach und Ellington, Mozart und Art Tatum studiert. Wenn du im Alter von 3 Jahren anfängst, spielst du das, was du hörst“.
Er hat kein Konservatorium besucht, er hatte eine Privatlehrerin.
Mit 20 zieht er von Pittsburgh nach Chicago, konvertiert dort zum Islam, ändert demzufolge seinen Namen. Und gründet mit The Three Strings ein Schlagzeug-loses Trio.
Sein berühmtestes Album jener Jahre wird „Live at the Pershing: But not for me“ (1958), nun aber in klassischer Triobesetzung.
Und man muss sich nur sein timing, sein Faible für Wiederholungen im Titelstück anhören, um deren Faszination sogleich zu erliegen.
In späteren Jahren spielte er auch Elektro-Piano, unterlegte seine Piano-Figuren mit funk Beats („Rossiter Road“, 1986), in Partikeln tauchten sie auf in Dutzenden Rap-Songs.
Clint Eastwood nahm zwei tracks aus dem „Pershing“-Album für den Soundtrack für „Die Brücken am Fluß“ (1995).
Er war dreimal verheiratet (das erste Mal mit 17).
1994 wurde er mit dem NEA Jazz Masters (25.000 Dollar) ausgezeichnet.
Ahmad Jamal, geboren als Frederick Russell Jones am 2. Juli 1930 in Pittsburgh, starb an Prostatakrebs am 16. April 2023 zu Hause in Ashley Falls/Mass. Er wurde 92 Jahre alt.
PS (26.04.23) Für alle, die Näheres wissen wollen, bietet Ethan Iverson in seinem blog Transitional Technology zwei bemerkenswerte Handreichungen:
- eine eigene Analyse. Demnach wird in den ersten Sekunden von "But not for me" die Geschichte des Jazzpiano-Trios neu geschrieben.
- einen link zu einer Dissertation von Michael Paul Mackey, University of Pittsburgh, 2017
Foto: Brian McMillen (1980), Wikipedia
erstellt: 17.04.23
©Michael Rüsenberg, 2023. Alle Rechte vorbehalten
Er kommt aber - und hier werden amerikanische Augen & Ohren hellwach - aus Heidelberg, zumindest in den 50er/60ern nur vermeintlich deutsche Jazz-Provinz.
Wer dort gelernt, wer dort gelehrt hat (und dies bis heute), von
Er kommt aus Canterbury, er hat - wie Mitglieder von Soft Machine - die Simon Langton Grammar School for Boys besucht, eines seiner Alben heißt „Canterbury Song“ (1989).
Er war der große Schweiger der Kölner Szene. Das berühmte Diktum, der Musiker XYZ drücke sich durch sein Horn aus, traf auf ihn in besonderem Maße zu.
Kein Zufall, dass sein Tod von einem in Köln maßgeblichen Musiker auf diesem Sektor verkündet wurde, 
Obwohl er noch „in hohem Alter“ regelmäßig aufgetreten sein soll, bleibt dies zumindest diskografisch eine Leerstelle, jedenfalls im Hinblick auf Aufnahmen in eigener Regie.
Vielleicht gibt sich demnächst eine/r der elektrischen Kunst auf sechs Saiten Kundige/r die Mühe, ähnlich wie
Man möchte dieser Tage wirklich nicht mit
Ein schöne Beschreibung dieses Wirbelwindes an den Tasten, gibt Lovett Hines, ein Musiklehrer aus Kindertagen, der bis zuletzt mit ihm in Kontakt blieb, in einem Nachruf auf