Die Frage ist berechtigt.
Der Pianist hatte 2018 zwei Schlaganfälle erlitten. Die Nachricht darüber, in einem großen Artikel in der New York Times im Oktober 2020, enthielt auch die Konsequenz:
dass er nie mehr live werde spielen können.
Seitdem hat man wenig in der Sache gehört.
Die Frage stellt sich nun erneut aus aktuellem Anlaß, weil die Veröffentlichung eines weiteren Mitschnittes aus seiner Europatournee vom Juli 2016 ansteht, nach „Munich“ und „Budapest“ nunmehr „Bordeaux“.
Wenn einer die Frage stellen kann (und darauf auch eine Antwort bekommt), dann Nate Chinen von NPR (National Public Radio), der auch für die NYT schreibt.
Jetzt also telefoniert Chinen mit Keith Jarrett, der daheim auf der Veranda sitzt, die er sein Büro nennt.
Er spaziert dieser Tage, die Umgebung ist schön, das Wetter auch, aber „meine rechte Hand ist nicht mehr so wie früher, von meiner linken ganz zu schweigen“.
Er, über Jahrzehnte Herr der Standards, spielt sie, nein versucht sie auch heute noch zu spielen, aber wie:
„Die einzige Einschränkung mit meiner rechten Hand ist, dass mein kleiner Finger die Melodie spielen muss. Das wäre nicht der Fall, hätte ich beide Hände. Und der Rest meiner (rechten) Hand ist dazu da, so zu tun, als würde ich den Akkord spielen“.
Jarretts Antwort auf die Frage („Du spielst also den Akkord und die Melodie ausschließlich mit deiner rechten Hand?“) veranschaulicht den Verlust dramatisch:
„Ich würde es nicht Akkordspiel nennen. Ich würde sagen, ich suche ein paar der Noten, die funktionieren könnten“.
Offenkundig möchte er von der genannten Tournee auch „Rome“ und „Vienna“ herausbringen, obwohl das Publikum in Österreichs Hauptstadt musste doch auch ermahnt werden.
Immerhin, das Publikum in Bordeaux war gut - Hotel und Essen hingegen, die alte Leier, schlecht.
Nate Chinen veröffentlicht das gesamte Telefonat in leicht gekürzter Form auf der NPR-Webseite.
Warum er die liebedienerischen Passagen drin lässt (“Das ist ja wohl doch ein nationales Verbrechen in Frankreich - einem Künstler in Bordeaux ein minderwertiges Essen zu servieren“), ist ein Rätsel.
Die Tragödie, die sein Beitrag beschreibt, schließt Ironie aus.
erstellt: 11.08.22
©Michael Rüsenberg, 2022. Alle Rechte vorbehalten
Miles „nahm sich“, wie die New York Times die Abwerbung schamhaft umschreibt, Michael Henderson.
Nach einer Babypause, 1975, nahm dann er Platz bei ihr, bei Barbara Thompsons Paraphernalia und beide zusammen für lange Jahre im United Jazz + Rock Orchestra. Unvergesslich der Stolz der reihum ansagenden Herren, Soli ihrer blonden Saxophonistin absagen zu dürfen.
Gestartet hatten sie ihr Unternehmen (neben den damals üblichen 20.000 DM, geborgt von Vater Winckelmann) mit dem szene-typischen Kapital aus Begeisterung und Engagement, als Fans.
Es war in einem Wiener Kaffehaus, heute früh, wo uns die Nachricht durch einen Gast überbracht wird: Wolfgang Reisinger, einer der großen (soviel Pathos ist erlaubt), einer der großen Jazzsöhne der Stadt, ist tot.
Tatsächlich aber tritt in diesem Film eine Person von hinter dem Vorhang auf die (Film)Bühne. 
Wer ihm begegnet ist, hält seine markanten Gesichtszüge in Erinnerung,
Am 1. Juni 1972 sitzt Badal Roy im Columbia Studio B:
Künstler des Jahres: Charlotte Greve
Aber, wie es sich lebt, in derselben Gattung neben einem solchen Giganten, die Bürde, der Zwiespalt, sie klingen unvermeidlich jetzt in den Nachrufen mit an. Beispielsweise in diesem FAZ-Satz über Emil: