What you have missed: Alec Goldfarb Quartet, Loft, Köln

Das Loft in Köln-Ehrenfeld, ehemals Wißmann-, nun Fasia Jansen-Straße, ist stolz auf seine Premieren, sehr oft in house, nicht selten aber auch für Deutschland oder Europa. 
Der neueste Eintrag (der Seniorchef Hans-Martin Müller wird ihn irgendwann, bei passender Gelegenheit aus der sehr umfangreichen Liste heranziehen) ist Alec Goldfarb, Gitarrist aus Brooklyn.
Die Legitimation, sich an die Loft-Premiere (die zugleich auch Deutschlandpremier war) eines neuen Gitarrenhelden zu erinnern, hatten freilich nur knapp zwanzig Aufrechte erworben. 
Goldfarb hatte in Baden/CH gespielt und reiste weiter nach Berlin; in jeder Stadt ein anderes Quartett, in Berlin deren gleich zwei: macht bei vier Konzerten vier verschiedene Ensembles.

In Köln verbeugt er sich ordnungsgemäß:
„a great city“ (naja), das Loft „a great place“ (schon glaubhafter).
Worüber auch Kollegen in New York City sprächen, wo nun zu spielen auch für ihn eine Ehre sei.
Und die Jazzpolizei ist geneigt, das i-Tüpfelchen in Köln auch darin zu erkennen, dass das Kölner Quartett dezidiert anders besetzt ist als die Kollegenschaft zuvor und danach, nämlich mit zwei Bassisten.
Zum einen Florian Herzog, den Goldfarb aus dessen Jahren in New York kennt, zum anderen Robert Landfermann.
Und neben ihm Jonas Burgwinkel, mithin die Rhythmusgruppe des Pablo Held Trios, seit über zwei Jahrzehnten eingespielt.
Was hätte da schiefgehen können?

Der erst 31jährige verfügt über eine höchst eindrucksvolle Vita: jazzseitig gehören Anthony Braxton, Steve Lehman und Immanuel Wilkins dazu, dann in der Neuen Musik z.B. das bei Jazzmusikern sehr beliebte Jack Quartet und - was das Spektrum quasi ruckartig erweitert - die Tatsache, dass er in einer speziellen Technik klassische Hindustani-Musik auf der Gitarre vortragen soll.
Letzteres ist an diesem Abend nicht der Fall (oder sehr versteckt). Goldfab eröffnet mit „Consideration“, was sich grob noch als Jazzrock eintüten lässt, auch wegen eines 2-Takte-vamps.
Da ist kein rubato Sich-mal-Hineinfinden-in-die-Situation, das Stück ist ein Statement. Und das Quartett voll da.
Das Thema im nächsten Stück, bestehend aus sechs Noten, wie angekündigt, ist so leicht nicht zu destillieren. Überhaupt beginnen spätestens hier die Zuordnungen zu schwimmen.
Wie kompliziert das Ganze ist hinter/unter einer durchweg zugänglichen Anmutung ist, entpuppt sich mit einem verstohlenen Blick auf das siebte Stück, die Zugabe (die Partitur liegt wie üblich obenauf, nachdem die Musiker das Podium verlassen haben).
„Diamer“ schien rein aural am meistern Bebop-like in der vergangenen guten Stunde.
Das leadsheet offenbart schwindelerregend, dass in den sechs Takten der Gitarren-Einleitung ein 3/4-Takt drei Mal vorkommt (und sich melodisch nur einmal wiederholt, ansonsten 5/16, 7/16 und 1/4.
Als es dann ab Takt 7 heisst band enters … geht es lustig so weiter. Kein Straucheln nirgends, aber Blicke des Gelingens. Was man sich für eine nächste oder übernächste Performance gewünscht hätte, wäre eine bessere akustische Balance der beiden Kontrabässe.
Ein Vergnügen auch, dem Bandleader zuzuschauen. Er spielt mit einer stupenden Technik, oft in hohen Lagen; kein feedback, kein langes Aushalten von Akkorden.
Ein sehr musikalischer Griffbrettartist, fürwahr, aber einer, der auch über die Performancezeit hinaus das Rätsel offenhält, wo man das, auch annähernd nur, schon einmal gehört haben mag.

erstellt: 22.09.26
©Michael Rüsenberg, 2026. Alle Rechte vorbehalten