What you have not missed: Elephant 9, Stadtgarten, Köln

Man war gewarnt.
An der Kassa des Stadtgarten lagen Ohrstöpsel aus, „für alle Fälle“ - eine für Jazzkonzerte wirklich rare Vorsichtsmaßnahme.
Sie sollte sich als halbwegs hilfreich erweisen:
Elephant 9, seit zwei Jahrzehnten eine fest Größe in der dem Wohlklang abgewandten Seite des nordic sound.
Primäres Kennzeichen: die Orgelklänge von Ståle Storløkken, 57; sie legen sich wie eine Quersumme durch große Teile der Szenen des Landes, von Supersilent, Audun Kleive, Terje Rypdal, Arve Henriksen bis zu Hedvig Mollestad und vielen anderen.
Storløkken ist allein von den Sounds her ein Ereignis. Die Hammond auf der Bühne des Stadtgarten ist innen und außen verkabelt wie sonst was, etliche „Tretminen“ wie bei Gitarristen obenauf, auch auf dem angewinkelten Fender Rhodes Electric Piano.
„Da kommt was auf uns zu“, das technische set up beflügelt die Erwartung, zuletzt hatte Storløkken mit Mollestad in „Bitches Blues“ ein scharfkantiges Duett geliefert.
Die Elefantentruppe ist seit zwei Jahrzehnten dieselbe, neben Storløkken mit Nikolai Hængsle Eilertsen, bg, und Torstein Lofthus, dr. Gleichfalls die Arbeitsteilung zwischen frontman und Rhythmusgruppe.

Der Auftakt ist völlig normal: ein Intro verhaltener Lautstärke, ein ostinato im 3/4 Takt, Storløkken präludiert etwas darüber, darunter nein, keine drone, sondern ein … Orgelpunkt.
Urplötzlich dann (auch dafür ist Erfahrung gut) ein Sprung in große Dynamik, unter Beibehaltung der Struktur, gefühlt zwei- bis drei Mal so laut. Was deutlich war, wird nun herausgeprügelt.
Man möchte von einer Terrassen-
dynamik sprechen: immer mal wieder verhalten - dann wahnsinnig laut. Und zurück. Langweilig.
Intensität erwächst erwächst allein aus Lautstärke, nicht aus Notwendigkeiten des spielerischen Verlaufes. Und den bestimmt frontman Storløkken. Zum großen Improvisator, das hatten wir schon früher festgestellt, hat er sich nicht entwickelt. 
(Etwas ganz anderes, wenn man ihn kompositorisch einhegt, wie bei der Cologne Jazzweek 2024).
Im Stadtgarten geizt er nicht mit abweichenden Hammond-Sounds, wohl wahr, aber zu motivischen Entwicklungen, über Floskeln hinaus, gelangt er nicht. Es reicht, Köpfe & Füsse im Auditorium in Bewegung zu halten.
Die ästhetischen Kosten dieser Vorgehensweise sind ohrenbetäubend.
Eilertsen & Lofthus ist ein sehr enger Rahmen als ostinato-Knechte gezogen. Sie bieten nichts weiter als den Boden, auf dem ihr Kollege sich ausbreitet. Sie spielen nicht miteinander, sondern (so komisch das klingen mag) „übereinander“, in zwei Schichten, die kaum miteinander korrespondieren.

Vulgo, der Interaktionsgrad, ganz zu schweigen von dessen spontaner Ausprägung, neigt gegen Null.
Das spricht schon einmal gegen eine allzu großherzige Eingemeindung dieser Musik in den Jazz. Improvisiert wird schließlich auch in der Rockmusik, und mit deren Prinzipien scheint Elephant 9 dann doch eher verwandt.
An eine klanglich so knüppelharte Performance im eigenen Bezirk kann sich die Jazzpolizei nicht erinnern.
Warum also weiter dem ausliefern, was sich von der Erwartung her hochgradig vorbestimmen lässt (um „voraussehen“ zu vermeiden) und körperliche Abwehrreaktionen hervorruft? 
Die Jazzpolizei suchte nach einer knappen Stunde das Weite. Die Ohrstöpsel entfernte sie im Foyer.

erstellt: 14.10.26
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