Alle mögen Immanuel Wilkins „Live at the Village Vanguard“.
Auch die SZ.
Im Feuilleton einer der sogenannten Qualitätszeitungen durchschlägt der Blitz der Euphorie das ganze Redaktionsgebäude:
„…eines der besten Livealben der Jazzgeschichte…“
Wie zu erwarten, nimmt unter den 13 Stücken die Beschreibung der einzigen Fremdkomposition den größten Raum ein, „Charanam“ von Alice Coltrane.
Unerwähnt bleibt die jazzhistorische Rarität von „Eternal“, wo in 15 von 19 Minuten ein Motiv ohne jede Variation wiederholt wird (vulgo: auch ohne jede Improvisation).
„Man könnte nun jedes einzelne Stück durchanalysieren..“; das ist wohlfeil, das erwartet außerhalb eines Jazzoberseminares auch niemand.
Die generelle Haltung dahinter ist vielverbreitet, offenbar auch im Feuilleton einer sogenannten Qualitätszeitung:
„… das würde den Spaß verderben, der vor allem darin besteht, sich ohne analytischen Ballast in die Musik fallen zu lassen, die mit ihrer Ekstase und ihrem Groove die (wenigen) Ausbrüche in die Atonalität auch für ungeübte Hörer in den richtigen Kontext setzt“.
Die Begründung dafür ist bizarr, sie ignoriert fahrlässig die erfolgreichen Bemühungen von Fans & Forschern, die Adorno-ismen gegen das Genre zu überkommen. Im Grunde fällt sie sich selbst in den Rücken.
„Denn letztlich muss man Jazz nur mögen, nicht verstehen“.
Müsste man dann nicht alles Schreiben darüber einstellen?
erstellt: 26.08.26
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