Sechs Jahre nach ihrer Premiere finden sie sich dort wieder ein, wo sie gestartet sind (und auch zwischendrin gerne gespielt haben), in der Kunststation St. Peter, laut Eigeneinschätzung „ein weltweit einzigartiger Ort des Dialogs von Glaube und Liturgie mit zeitgenössischer Kunst und neuer Musik“.
Wer den spät-gotischen Raum betritt, seit 1960 betreut von Jesuiten, kann auch ohne jede Kenntnis des historischen Ranges den genius loci unmittelbar erfahren, visuell und akustisch: kein Wunder, dass dies der „Lieblingsort“ von Bonecrusher ist.
Zum Beispiel haben sie dort im Gründungsjahr ein fabelhaftes Album aufgenommen. Jetzt sind sie wieder da im Rahmen der cologne jazzweek, obwohl ihnen wenig jazzmäßiges anhaftet. Aber ein solcher Ausflug in die Neue Musik, geleitet von einem (auch) Jazzmusiker, nämlich Matthias Muche, ist allemal eindrücklicher als die eine oder andere Exkursion in die Popmusik, wie sie auch die sechste Ausgabe der cologne jazzweek kennzeichnet.
Muches Posaunenchor, demnächst beim Jazzfest Berlin in der Gedächtniskirche mit einem Stück von Johannes Bauer, ist personell von bemerkenswerter Kontinuität, wechselweise zehn oder zwölf PosaunistInnen, die im Halbkreis Aufstellung nehmen.
Im ersten Stück (einer schwedischen Komponistin) schieben sie sich hälftig lang ausgehaltene Akkorde zu (mitunter auch in der Aufteilung sechs und vier) - es ist ein leichter, ein gewissermaßen unterkomplexer Einstieg.
Im nächsten Stück, mit vielen Einzelstimmen, tritt Etienne Nillesen mit seinen typischerweise „gerührten“ beiden snare drums hinzu. Und im dritten, anfangs schwankend zwischen einem tiefen E und B, setzt er ganz oben einen Ton, als käme der von einer dreizehnten Posaune.
Alle Blasinstrumente werden klanglich gefiltert durch eine Art Silberteller, der Luft- und Schnarrgeräusche erlaubt. Quasi „hoch über ihnen“, fügen sich die Obertöne zu einer zweiten Klangschicht.
Es waren die attraktivsten Momente einer Performance, die an den Glanz früherer Bonecrusher-Performances nicht recht anschliessen konnte.
---wird fortgesetzt
erstellt: 10.09.26
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