ESPEN REINERTSEN Venus er i håret ********
01. Derfor tok det aldri slutt (Reinertsen), 02. Til noens dype muskelvev, 03. Skal jeg følge deg til havet, 04. Muskelminner fra arkanoidepoken, 05. Venus er i håret
Espen Reinertsen - voc, woodwinds, electronics, Eivind Lønning - tp, Erik Nylander - dr,
rec. 2025 (?)
7041889525690
SONATA 098
Was ist denn hier los?
Es klingt, als beträte man einen Spiegelsaal, einen Raum voller dejavus, voller vertrauter Klänge.
Ultraschnelle Genre-Taxierung: keine Avantgarde, kein Jazz. Eher Pop.
Ein Sequencer-Beat pocht, wie aus den späten 70ern, auf jedem Achtel ein Ton, zwei Takte jeweils im Wechsel im Quartabstand.
Acht Akte Instrumentalvorspiel, im Hintergrund eine Orgel. Im dreizehnten Takt eine Rückung um einen Halbton nach oben - eine Stimme erklingt.
Und hier setzt das erste Rätsel ein: das männliche Vokal, sehr entspannt, geradezu verträumt, kommt einem bekannt vor. Später steigt die Stimme ins Falsett, der Raum weiter sich mittels Hall.
Immer noch kein Peil, an wen sie uns erinnern soll. Das Label schlägt u.a. Robert Wyatt vor. Nicht ganz schlecht, würde Marcel Reif hier einwerfen - aber noch zu ungenau.
Inzwischen verlagert sich die Aufmerksamkeit: die Bläser entwickeln mehr und mehr ein Eigenleben. Die Linienführung hat schon, peu a peu, mehr mit „Jazz“ tun.
Und da kommen sie - wiederum sehr vorsichtig gesprochen - da kommen sie her, aus dem Umkreis von Christian Wallumrød.
Als Streifenjunko haben sie mehr als 100 Konzerte seit den 2010er Jahren weltweit gegeben:
Espen Reinertsen, Jahrgang 1979, Norweger, er bedient woodwinds, also Saxophone, Klarinetten, Flöten, er verantwortet auch die oldtime-Elektronik. Und den Gesang!
Sein Partner aus Streifenjunko, Eivind Lønning, Jahrgang 1983, spielt lediglich Trompete (aber so gut arrangiert im Bläserklang, dass man eine kleine Blechbläser-Abteilung vermutet). Er kann demgegenüber Reinertsen ein paar name jobs vorweisen (Dave Holland, Chick Corea, Joshua Redman).
Streifenjunko (wir erinnern uns sehr peripher an ein Konzert im Stadtgarten Köln, vor etlichen Jahren), zwei Bläser an einem Tisch voller Kleinstelektronik in Kabel-Spaghetti.
Das Bild ist für „Venus er i håret“ („Venus sitzt im Haar“) nur bedingt zu gebrauchen, schließlich kommt hier noch Erik Nylander hinzu, 1981 in Schweden geboren, aber seit Jahrzehnten in Norwegen ansässig. Er spielt „nur“ Schlagzeug, auch als Teil rhythmischer Irritationen wie offbeats, groove switching, Dub-Effekte, rhythmische glitches.
„Ich mag traditionelle Lieder, die in lange Instrumentalpassagen übergehen, wie ein Tier mit unterschiedlichem Kopf und Körper“, sagt Reinertsen über sein Konzept.
---wird fortgesetzt
erstellt: 27.03.26
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