MARCUS MILLER Silver Rain ****

1. Intro Duction (Marcus Miller), 2. Bruce Lee, 3. La Vilette (Marcus Miller, Lalah Hathaway), 4. Frankenstein (Edgar Winter), 5. Moonlight Sonata (Beethoven), 6. Boogie on Reggae Woman (Stevie Wonder), 7. Paris Interlude (Marcus Miller), 8. Silver Rain (Marcus Miller, Eric Clapton, Joe Kibble, Bill Withers), 9. Make up my mind (Marcus Miller), 10. Girls & Boys (Prince), 11. Sophisticated Lady (Ellington), 12. Power of Soul (Hendrix), 13. Outro Duction (Marcus Miller), 14. The Lord´s Prayer (trad)

Marcus Miller
- bg, bcl, keyb, g, dr, progr; Bruce Flowers, Bernard Wright - keyb, Poogie Bell, Ronald Bruner - dr, Michael Patches Stewart - tp, Lalah Hathaway, Eartha Kitt, Kenn Hicks, Joey Kibble, Mark Kibble, Jessica Celious, Macy Gray - voc, Dean Brown, Lucky Peterson - g, Gregoire Maret - harm, Kirk Whalum, Roger Byam - ts, Kenny Garrett, Gerald Albright - as, Mocean Worker - progr

rec ?/2004

Soulfood/Dreyfus FDM 36673-2; LC-Nr 09803

Der beste track ist der erste, er dauert ganze 29 Sekunden. Er beginnt mit einem
Eartha Kitt-Sample "Maaahcus, dahling" und schliesst mit demselben in gedehnter Form. Dazwischen läuft eine Meisterlektion in drei Kategorien ab: slap bass Technik (Bassgitarre), Groove (drum-programming) und timing (E-Piano).
Und das war´s!
Im Grunde könnte man die CD dem player wieder entnehmen. Indem sie pars pro toto demonstrieren, was der Mann kann, und den Rest der Phantasie des Zuhörers überlassen, reizen diese
master lectures den Wahrnehmungsapparat bis zum Äussersten.
Danach könnte er auf
autopilot umschalten, in den verbleibenden 71:51 ereignet sich nichts mehr, was auch nur annähernd Aufmerksamkeit erforderte. "Silver Rain" ist im vielmehr der Beleg, dass der Funk´ifizierung von allem & jedem - selbst durch einen Grossmeister - letztlich doch Grenzen gesetzt sind. Die Vorlagen mögen wechseln, das Resultat ist ein aseptischer, von allem Schmutz gereinigter Funk.
Gralshüter des Abendländischen mögen sich nun echauffieren, dass
MM der "Mondscheinsonate" sich annimmt - wir schlichteren Gemüter dürfen mit gleicher Münze registrieren, dass der Herr selbst eine Steilvorlage wie Hendrix´ "Power of Soul" versemmelt. (Es gibt kaum Langweiligeres, als Dean Brown und Patches Stewart an diesem riff sich abmühen zu hören.)
Selbstverständlich, viele werden - insbesondere letzteres - anders bewerten und sich dabei auch auf den Preisredner beziehen, der uns in den liner notes mit der korrekten Lesart versorgt, ein "Poet und Archivar" namens Reuben Jackson. Dieser blubbert lizenzfrei, dass Millers Version von "Power of Soul" auch "den notorisch selbst-zerstörerischen Komponisten" (Hendrix) zufriedengestellt
hätte und der desweiteren "annimmt", auch Ludwig van Beethoven hätte Millers Arrangement "geliebt“.
(Vermutlich aber erst, nachdem man ihn zuvor mit der Version von
James Last nebst Lufthansa-Tüte vorbereitet hätte...)
Im Ernst, das Missbehagen, das einer der Welt führenden Bass-Gitarristen nun schon zum wiederholten Male bereitet, hat seine Ursache darin, dass er eine wichtige Lektion von
Miles Davis ignoriert, nämlich mit Charakterköpfen sich zu umgeben. MM, der ex-Miles-Mann, führt ein Team von Hofschranzen; es ist keiner dabei (Gäste wie Kenny Garrett ausgenommen), der auch nur im Ansatz eine Figur abgäbe wie seinerzeit der junge MM bei MD.
PS: Die Punktzahl **** resultiert allein aus dem phänomenalen Handwerk des Hauptmusikanten.

erstellt: 02.02.05

©Michael Rüsenberg, 2005, Nachdruck verboten


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