Geldregen in Amerika

Miles Davis dürfe der berühmteste unter den vielen sein, die der größeren Anerkennung (und Gagen) wegen Europa ihrer Heimat vorziehen, das Ursprungsland des riesigen Feldes, das mit der begrifflichen Klammer „Jazz“ immer notdürftiger zusammengehalten wird.
Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass das Niveau der materiellen Auszeichnungen in den USA das derjenigen in Europa bei weitem überragt.
Topping the Bill die MacArthur Fellowship, inzwischen 800.000 $ je Ausgezeichnetem/r, ausgezahlt über einen Zeitraum von fünf Jahren, darunter sporadisch VertretInnen des Jazz, zuletzt der Pianist Craig Taborn (2025), davor Ikue Mori und Tomeka Reid (2022).
Auch die staatlichen NEA Jazz Masters, seit 1982 mit bis zu sieben KünstlerInnen jährlich ausgewählt (in 2026: Carmen Lundy, Airto Moreira, Patrice Rushen, Rhonda Hamilton (Jazzmoderatorin bei KKJZ-FM in Los Angeles)), sind mit 25.000 § höher ausgestattet als jedes deutsche Pendant.
JLF HomepageGraphicRecht neu, weil erst zum zweiten Male ernannt, sind die Jazz Legacies Fellows, auserkoren durch eine 10köpfige Jury (u.a. James Carter, Kris Davis, Stefon Harris, Willie Jones III, Rudresh Mahanthappa).
Die Organisation liegt in den Händen der Jazz Foundation Of America, die Finanzierung erfolgt durch die Mellon Foundation.
Sie verwaltet das Vermögen von Andrew W. Mellon (1855-1937), Banker, Multimillionär, Philanthrop, Politiker, unter drei US-Präsidenten auch Finanzminister.
Mellon war Anhänger Anhänger der Trickledown-Theorie (die Reichen so reich wie möglich werden lassen, dann sickert ihr Vermögen schon nach unten), eines ur-konservativen US-Theorems.
Ob und was Mellon mit Jazz am Hut hatte, ist nicht bekannt. Es ist auch unbedeutend.
Die Stiftung ging 1969 aus zwei anderen hervor, die seine beiden Kinder begründet hatten.
Die Mellon Foundation unterstützt beispielsweise die digitale Bibliothek JSTOR, die wiederum wissenschaftlichen Jazz-Publikationen hilft.
Voraussetzung für eine Auszeichnung als Jazz Legacies Fellow ist ein Mindestalter von 62 Jahren, mit anderen Worten: es handelt sich quasi um eine Auszeichnung für Lebensleistungen.
The 2026 Jazz Legacies Fellows sind:
Dee Alexander, 70, Vocals (Chicago, IL)
Community cornerstone and defining voice of Chicago jazz, from classic to the avantgarde
Kenny Barron, 82, Piano (Brooklyn, NY)
Paragon of keyboard elegance who framed solos of past legends and nurtured voices of future stars
Gary Bartz, 85, Saxophone (Oakland, CA)
Era-spanning saxophone guru and innovator of socially conscious musical concepts
William Cepeda, 65, Trombone (Loiza, PR)
World-renowned pioneer of “Afro-Rican jazz” fusing folkloric roots and global influences
Marilyn Crispell, 78, Piano (Woodstock, NY)
Avant-garde powerhouse who combines elemental force with tender lyricism
Donald Harrison, 65, Saxophone (New Orleans, LA)
Big Chief and culture bearer of New Orleans jazz, and architect of "Nouveau Swing”
Oliver Lake, 83, Alto Saxophone and Flute (Montclair, NJ)
Black Artists Group and World Saxophone Quartet co-founder, and interdisciplinary trailblazer
Bennie Maupin, 84, Multi-Reeds (Los Angeles, CA)
Multi-reed marvel who catalyzed cutting-edge jazz hybrids in iconic bands of his day
Charles McPherson, 85, Saxophone (San Diego, CA)
Bebop torchbearer with a direct connection to the bedrock of modern jazz
Archie Shepp, 88, Saxophone (Amherst, MA)
“Fire Music” forebear and academic pioneer who fearlessly chronicled the Black
experience
Mary Stallings, 86, Vocals (San Francisco, CA)
Preeminent jazz storyteller who recaptured her early glory and then surpassed it
Buster Williams, 83, Bass (Camden, NJ)
Universally lauded giant of his instrument and lifelong spiritual seeker

„Jeder Stipendiat erhält eine uneingeschränkte Förderung in Höhe von 100.000 US-Dollar sowie Zugang zu maßgeschneiderten beruflichen und persönlichen Ressourcen, darunter Auftrittsmöglichkeiten und Meisterkurse, Produktionsunterstützung sowie bei Bedarf rechtliche und finanzielle Beratung.“

erstellt: 24.02.26
©Michael Rüsenberg, 2026. Alle Rechte vorbehalten