PAT METHENY GROUP The Way Up ******

1. Opening (Metheny, Mays), 2. The Way Up, Part One, 3. The Way Up, Part Two, 4. The Way Up, Part Three

Pat Metheny
- g, g-synth; Lyle Mays - p, keyb; Steve Rodby - b, bg, cello; Antonio Sanchez - dr, Cuong Vu - tp, Gregoire Maret - harm, David Samuels - perc, Richard Bona - voc, perc

rec 2003/2004

Warner/Nonesuch 7559-79876-2; LC-Nr 0286
Partitur live

Dieses "ambitionierteste Projekt der Pat Metheny Group" (Metheny) ist in der amerikanischen Kritik, zumindest bei drei von vier down beat-Rezensenten auf einhellige Ablehnung gestossen:
das thematische Material sei "schwach", die Grossform begrabe ein paar gute Soli von Metheny, die Gruppe drehe sich seit Jahren im Kreis, es sei einfach nicht gut, wenn man den Verlauf eines Themas schon beim ersten Hören erraten könne...
Alles nicht völlig aus der Luft gegriffen - und doch können die Einwände, die fremden wie die eigenen, das immense Hörvergnügen dieser 68 Minuten und 8 Sekunden nicht schmälern. Sie sind verdammt gut gemacht, vielfarbig und strukturell imponierend, auch wenn die Methode bestens vertraut, der
Steve-Reich-Einfluss früher schon dokumentiert ist und jetzt "Eberhard Weber" hinzutritt.
Das "Opening" nimmt für sich ein als eine Art Studie in Triolen, wobei nicht erst in der Coda auch ein 7/8-Takt auftaucht. "The Way Up" ist geprägt durch einen konstanten Wandel der strukturgebenen Elemente. Das Haupt-Thema taucht erst zu Beginn von "Part One" auf und dann in immer weiteren Varianten. Der Klangraum ist
möbliert bis in die letzte Ecke, und nicht nur der quasi-sinfonischen Aufwallungen, der dynamischen Kontraste wegen, mag man geneigt sein, das ganze auch als Orchesterwerk zu imaginieren.
Vermutlich wäre dafür das thematische Material wirklich zu schwach, vermutlich wären in einem solchen Kontext die jazz-"amtlichen" Passagen von "The Way Up" gar nicht auszuhalten.
Leider erweist sich hier, im Solistischen generell, dass die Pat Metheny Group zwar vorzügliche Musiker, aber ausser dem Bandleader keinen
Improvisator von Format besitzt. Die schwächste Vorstellung in dieser Hinsicht gibt der vielgelobte Cuong Vu, immerhin mischt sich der einzige Neuzugang - der Afro-Schweizer Gregoire Maret - mit seinem weichen Instrument ganz gut dazu, auch wenn ihm Lyle Mays häufig nicht ohne weitere Klangfahne aus seinem Arsenal ziehen lässt.
Der Überfülle, dem Bombast aus dieser Abteilung, steht nur der Schatten einer
Bläser-Sektion entgegen. Ein schönes Gedanken-Experiment, sich manche Passagen so auszumalen, wie sie Metheny in Stücken wie "See the World" (1992) mit einem Bläsersatz harmonisiert hat. Vielleicht gewinnt ja die Live-Präsentation von "The Way Up" durch Kalorien-Reduzierung - soviel Klingeling wie hier lässt sich auf keine Bühne bringen.

erstellt: 01.02.05

Pat Metheny Group live
19.05. Berlin, Tempodrom
26.05. Stuttgart, Liederhalle
27.05. Memmingen, Stadthalle
29.05. Nürnberg, Meistersingehalle
30.05. München, Prinzregententheater
01.06. Frankfurt, Alte Oper
05.06. Hamburg, Musikhalle
06.06. Hamburg, Musikhalle
09.06. Köln, Philharmonie

©Michael Rüsenberg, 2005, Nachdruck verboten