In einem screenshot aus einer BBC-Dokumentation über die Parkinson-Erkrankung von Barbara Thompson (2012) sieht man ihn freundlich-zugewandt an ihrer Seite.
Aus seiner Mimik spricht Bewunderung für sie, Bewunderung für den Kampf seiner Ehefrau gegen die Erkrankung.
20 Jahre lang galt er als der kerngesunde Partner eines der Künstlerpaare aus der Jazzwelt.
Obwohl, so ganz treffsicher mochte man ihn nicht im Jazz verorten.
Er markierte auf sehr eigene Art eine individuelle Schnittmenge, die sich von Band zu Band, manchmal mehr zu der einen, dann wieder zu der anderen Großkategorie bewegte.
Jon Hiseman, das war der Schlagzeuger (und Bandleader) von Colosseum und Tempest, er gehörte aber auch zum United Jazz + Rock Ensemble. Seine Discografie zeichnet ein beeindruckendes Einerseits/Andererseits.
Man hörte ihn früh bei John Mayall, aber auch bei Wolfgang Dauner, man hörte ihn im Jazzrock von Nucleus, aber auch im Folkrock von The Strawbs, im Rhythm & Blues von Graham Bond, aber auch auf dem Debüt von Jack Bruce „Things we like“, 1968, ein Jazz-Album.
Es war eine britische Karriere durch und durch, vor allem eine britische Drummer-Karriere. Er gehörte zur Garde derer von Bruford, Baker, Copeland, Palmer.
Inwieweit er darunter als eigener Stilist bestehen kann, erscheint fraglich; ein „großer“ Drummer war er sicher, ein Publikumsliebling sowieso, dazu beredet, freundlich, einer, dem das Spiel offenkundig Spaß machte.
Einen letzten künstlerischen Ausdruck fand er in JCM, einem Power-Rock-Trio mit den Colosseum-Freunden Clem Clempson (g) und Mark Clarke (bg, voc).
Dessen Tournee musste abgesagt werden, nachdem am 25. April 2018 ein Hirntumor bei ihm festgestellt worden war.
Am 12. Juni 2018 erlag er einem Krebsleiden. Er wurde 73 Jahre alt.

Thompson Hiseman 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PS: Der Pianist Mike Westbrook hat einen wundervollen Nachruf geschrieben:
"we lost a guiding star".

erstellt: 13.06.18
©Michael Rüsenberg, 2018. Alle Rechte vorbehalten