JOEY DE FRANCESCO w JIMMY SMITH Legacy ****

1. Legacy (DeFrancesco), 2. Dot Com Blues (Jimmy Smith), 3. I´ll close my Eyes (William Reid), 4. Back at the Chicken Shack (Jimmy Smith), 5. Jones´n fo Elvin (DeFrancesco), 5. Off the Top (Jimmy Smith), 6. Quiet Nights (Antonio Carlos Jobim), 7. I´ve got my mojo workin´ (Preston Foster), 8. St. Thomas (Sonny Rollins), 9. Blues for Bobby C. (Jimmy Smith), 10. Midnight Special

Joey DeFrancesco
- org, p, keyb; Jimmy Smith - org, Paul Bollenback - g, Byron Landham, Steve Ferrone, Ramon Banda - dr, James Moody - ts, Mel Brown - bg, Tony Banda - b, Joey DeLeon - perc, Raul Yañez - p

rec 22.-24.8.2004

in-akustik/Concord CCD-2229-2

Am am 28. Oktober 1999 ruft der Ansager im "Bimbo´s 365 Club" zu San Francisco: ãSie alle waren Zeugen eines Teiles Jazz-Orgel-Geschichte“. Joey DeFrancesco und Jimmy Smith hatten soeben zwei
Medleys gespielt, ihr erstes von Musik diktiertes Treffen (sieht man von einem Fototermin ab, wo DeFrancesco im Kindesalter neben dem grossen Vorbild auf der Orgelbank Platz nehmen durfte.)
Bis zum zum 7.2.05 konnte man Zweifel hegen, ob der Clubmann in SF seinerzeit den Mund nicht zu voll genommen hatte...seit dem
8.2.05, da Jimmy Smith 76jährig starb, und vor allem nach diesem Album wissen wir: der Mann hatte recht, damals.
Man muss nicht mit den höheren Weihen der Orgel-Fraktion versehen sein, um an jenem kurzen Gastspiel am 28.10.1999 sich zu berauschen - ein jeder, dessen Sinnesapparate noch funktionstüchtig sind, kann sich schlichtweg nicht dem Sog entziehen, den die beiden Kerle an ihren Instrumenten entfachen, Konvention hin oder her. Das ist Jazz, der sich aller Grübelei, was denn heute noch Jazz sei, durch die schiere Kraft seiner Praxis entzieht. Tausendmal schon hat man das gehört, ein Klische am anderen - aber auf einem Niveau, mit einer Perfektion, wie sie seitdem nicht mehr reproduzierbar ist (CD "Incredible!", Concord CCD-4890).
Nichts davon, allenfalls ein Hauch auf den letzten Metern, im August 2004, als die beiden Hammond-B-3-spielenden Einwohner von Phoenix/Arizona im Studio aufeinandertreffen!
Dabei fällt der Titel "Legacy" (Vermächtnis) weniger marktschreierisch aus als der frühere, ja er beschreibt sicher eine Tatsache, nämlich dass die Meinungsführerschaft an der Jazz-Orgel von Jimmy Smith auf Joey DeFrancesco übergegangen ist, aber schon 1999 und nicht erst 2004.
Wer den desaströsen, von Krankheit gezeichneten Auftritt Smith`s bei den
Leverkusener Jazztagen 2004 erlebt hat, den wundert nicht, dass der immer noch Grossmäulige (wie er sich jüngst erst wieder in down beat präsentiert) drei Monate zuvor in kaum besserer Spielkondition sich befand.
Das Ungemach dieser Produktion beginnt mit dem Titelstück, einem unverhüllten Remake von
Miles Davis´ "All Blues", wo Joey DeFrancesco Piano spielt und der always bluesige Paul Bollenback ein Relikt aus den 60ern bedient, eine elektrische Sitar.
Es fehlt nicht an weiteren Versuchen, dem engen Klang-Ghetto des Orgel-Trios zu entkommen: "Back at the Chicken Shack", eine der Hymnen von Jimmy Smith läuft über einen Latin-Rhythmus, aber so schlaff und fad, dass man am liebsten ins Archiv flüchtete, um eine der zahllosen besseren Versionen heranzuziehen.
So schleppen sich die beiden dahin, nicht ohne bald jeden Schlussakkord mit "yeah man!" zu quittieren - bis sie dann in der Schlussgeraden, bei den tracks 10 und 11 - mehr ordentlich denn brillant - an ihr Treffen im "Bimbo´s 365 Club" anschliessen.
Das Vermächtnis des Jimmy Smith liegt in vielen seiner Aufnahmen, nicht in diesem, danach benannten Album.

erstellt: 17.03.05

©Michael Rüsenberg, 2005, Alle Rechte vorbehalten


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