SCOTT HENDERSON Live ! *******

CD 1: 1. Slidin´ (Scott Henderson), 2. Well to the Bone, 3. Sultan´s Boogie, 4. Xanax, 5. Lady P, 6. Jakarta, 7. Tacos are good
CD 2: 1. Dog Party, 2. Fee Fi Fo Fum (Wayne Shorter), 3. Meter Maid (Scott Henderson), 4. Nairobe Express (Victor Wooten), 5. Devil Boy (Scott Henderson), 6. Hillbilly in the Band

Scott Henderson
- g, John Humphrey - bg, Kirk Covington - dr, voc

rec ?/2004
Rough Trade/Mascot M 7104 2; LC-Nr 03090

Wer 2002 das Album "Well to the bone" gekauft und 2003 die Frühjahrstournee des Kerntrios erlebt hat, der weiss, welches Pfund hier auf ihn zukommt - ein weiterer Ausflug von Scott Henderson in den Blues-Rock, in die Welt von Stevie Ray Vaughan, Jimi Hendrix, Jeff Beck; der aber nicht die komplette Uniform des Genres trägt, beispielsweise nicht das 12-Takte-Hemd (und wenn Blues, dann in der 16-Takte-Form von "Well to the Bone").
Ansonsten ist die Tonalität vollgesogen vom Blues, rhythmisch
shuffelt´s ohne Ende, und Kirk Covington (aus Hendersons Hauptensemble Tribal Tech) bringt das Kunststück fertig, noch dazu zu singen - wie in seeligen Beat-Zeiten, bloss dass Covingtons Stöcke ganz anders wandern.
Das alles sind Zutaten für einen Gitarristen, der wie kein zweiter (allenfalls
Jean-Paul Bourelly) Blues-Phrasen aus dem Handgelenk schüttelt, bis der Notzarzt kommt. Die Variationsbreite ist unfassbar, er gibt immer noch eins drauf, darunter überraschende Zitate: ein wenig Holdsworth, viel Hendrix und Jeff Beck, Jeff Beck, Jeff Beck! Phrasen kippen nicht ab, nie hat man den Eindruck, gewissermassen nur einen "Nebengedanken" zu vernehmen - Henderson verfügt über ein phänomenales timing.
Höhepunkt dieser hochverdichteten Kunst aus Sound & Phrasierung ist der - vom Titel her - banale "Sultan´s Boogie", wo die Rhythmusgruppe dem Bandleader aufmerksam durch einen wechselnden Parcours folgt. Innerhalb klar erkennbarer Grenzen agiert sie durchaus kreativ - aber mit
Wayne Shorters "Fee Fi Fo Fum" weiss sie, weiss das ganze Trio wenig anzufangen, das liegt ausserhalb der Genre-Grenzen. Die Dynamik freier zu bestimmen, gelingt nicht, hier haben Vital Tech Tones (Scott Henderson mit Victor Wooten und Steve Smith) klar die Nase vorn.

erstellt: 16.02.05

©Michael Rüsenberg, 2005, Alle Rechte vorbehalten


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