KURT ROSENWINKEL Deep Song ******

1. The Cloister (Rosenwinkel), 2. Brooklyn sometimes, 3. The Cross, 4 If I should loose you (Rainger, Robin), 5. Synthetics (Rosenwinkel), 6. Use of Light, 7. Cake, 8. Deep Song (Cory, Cross), 9. Gesture Lester (Rosenwinkel), 10. The next Step

Kurt Rosenwinkel
- g, voc; Larry Grenadier - b, Joshua Redman - ts, Jeff Ballard (3, 4, 5, 8) - dr Ali Jackson (1, 2, 3, 6, 7, 9, 10) - dr, Brad Mehldau - p

rec ?/2004

Verve 0075021034563; LC-Nr 00383

Dies ist ist eines jener Alben, die man auspackt - und sofort Spass hat! Vielleicht, weil die Erwartungen bei diesem Namen nicht so hochschäumen:
Kurt Rosenwinkel, wir kennen ihn insbesondere aus Paul Motians Electric Be Bop Band, rangiert mit etlichen anderen diesseits der Personal-Stilisten, unterhalb der Klasse der grossen Johns, der Bills und Pats.
Wobei er insbesondere von letzterem (
Pat Metheny that is) stark in puncto Klang & Melodik zehrt, nicht zu vergessen ein Schuss Larry Coryell. Metheny-esk ist sicher sein Hang, die Gitarren-Linien fast durchgängig vokal zu doppeln - früher hatte man scat dazu gesagt. Solange nicht ein Blick auf seine Fuss-Pedale und sein Effekt-Rack eines anderen belehrt, nehmen wir an, dass die aufreibende Parallel-Arbeit nicht vom Munde gemacht ist, sondern ein Harmonizer erledigt (könnte aber auch ein Sampler sein, der technologischen Möglichkeiten sind viele).
Die Stimmdopplung - wozu sind sie denn da? - übernehmen gerne auch
Joshua Redman und Brad Mehldau, spannungssteigernd mit leichtem zeitlichen Versatz.
Bildete Rosenwinkels letztes Album "Heartcore" (2003) eine Brücke vom
hier & jetzt in die "psychedelischn" sixties, so bietet er hier einen ausschliesslich akustischen, breiten Modern Mainstream an. Ein Bolero ist wieder dabei ("If I should loose you"), das Repertoire ist gut gewählt, die Reihenfolge gelungen, ein erster Höhepunkt wird mit "Synthetics" angesteuert. Konträr zum Titel ist dies eine Bebop-Nummer reinsten Wassers - und swingt wie jeck! Und das mit Kandidaten, die in diesen Rollen gelegentlich als Wackelmänner erlebt hat: Jeff Ballard (bei Chick Corea ) und Brad Mehldau.
Ja, die
JNE hat ein grosses Herz. (Nicht alles, aber) vieles ist vergessen, Mehldau gibt hier eine vorzügliche Vorstellung. Der Mann mag mittels hype nach oben gekommen sein - er ist ein Jazz-Pianist (im Gegensatz zu dem Herrn aus Schweden, dessen Name uns gerade entfallen ist. Danke Fritz J. Raddatz für dieses schöne Zitat!) (Rosenwinkel übrigens soll seit kurzem in Zürich leben; wann hören wir ihn mit Nils W. und Lukas N.?)
Die Ballade "Use of Light" hängt ein wenig durch, dafür kommt das 6/8 "Cake" mit Sahnehäubchen daher! Wie fast immer phrasiert Rosenwinkel schön triolisch durch, die Rhythmusgruppe setzt mitunter einen
Shuffle dagegen und nimmt damit den Rhythmus des Schlussstückes vorweg, eine Wiederaufnahme von "The next Step" (2001), das mit einem ähnlich pathetischen Thema beginnt wie "Cake".
Nicht zu vergessen dazwischen der
Billie-Holiday-Standard "Deep Song".

erstellt: 26.02.05

©Michael Rüsenberg, 2005, Nachdruck verboten


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