„Wie schlimm ist es um den Jazz bestellt?“
Diese bange Frage richtet ein Mitarbeiter der Stuttgarter Nachrichten u.a. an Klaus Marmulla, zuständig für das Jazzfestival im Theaterhaus Stuttgart.
Seine Antwort ist mehrfach bemerkenswert.
„In den USA ist der Jazz 2014 bei den Verkäufen erstmals von der Klassik überholt worden und nun ganz unten. Jazz ist die neue Klassik, hat Kunststaatssekretär Jürgen Walter schon festgestellt. Wir bräuchten neue Subventionsverhältnisse.“
Satz 1 (Klassik überholt Jazz in USA) ist schwer zu überprüfen und lenkt geradezu virtuos davon ab, dass Klassik hierzulande Jazz seit Jahren „überholt“. Und zwar immer um den Faktor 4, zuletzt 2014 Klassik (6.5 % Anteil  am Tonträgerumsatz, Jazz 1.4 - gleichviel wie Country/Folk oder Comedy).
Den logischen Schritt von Satz 1 zu Satz 2 (Jazz ist neue Klassik) kann außerhalb Baden-Württembergs niemand nachvollziehen. Im Ländle stört das niemanden, Hauptsache Jürgen Walter wird zitiert. Jürgen Walter gehört zu den Grünen, ist somit Repräsentant der Mehrheitsfraktion - nicht nur im Landtag, sondern auch unter Jazzkonzertgängern.
Was so einer sagt, z.B. auf der Jubiläumsfeier für Eberhard Weber, ist nicht Gesetz, könnte es aber werden. Näher an den Subventionstöpfen war der Jazz BW nie.
Raffiniert deshalb der Konjunktiv in Satz 3 („bräuchten“): es könnte sich um ein Zitat von Jürgen Walter handeln oder um eine Forderung an ihn.
Nach zwei oder drei Viertele klingen Fördern und Fordern ohnehin gleich.

erstellt: 14.04.15
©Michael Rüsenberg, 2015. Alle Rechte vorbehalten