„Würden nicht mehr Leute dem Jazz eine Chance geben, wenn wir wenigstens darüber nachdächten, kürzere Soli zu spielen?“
Wer kommt auf eine solche Idee?
Falsch, der Urheber gehört nicht zu den Hornsteins aus dem Umkreis des SZ-Feuilletons, er gehört gar nicht zum Feuilleton, auch nicht zu den üblichen Verdächtigen - es twittert diesen Gedankenfurz einer aus der Mitte unserer kleinen Welt, ein verdienter, durchweg anerkannter Musiker - Christian McBride, b.
Der - empirische - Beleg steht zwar noch aus, aber die Grundannahme, dass viele von der Fahne gehen, weil sie meinen, einem Jazz-Solo nicht folgen zu können, ist wahrscheinlich so falsch nicht.
Nur, was folgt daraus?
Die darin anklingende Selbstamputation des Jazz schafft man wohl kaum aus der Welt, indem man auf tolle kurze (oder auch längere) Soli verweist oder die rhetorische Frage stellt, ob denn demnächst Bildende Künstler kleinere Bilder malen oder kleinere Skulpturen schaffen sollten (wie das Wally Houser, Ex-Manager von Ronnie Scott´s bei LondonJazzNews tut).
Die nächsten tweets könnten sich dann gerne auch andere Parameter des Jazz vorknüpfen, die schiefe Intonation z.B. (gar manchem tun blue notes weh).
Von der Substanz her liegt die Halbwertzeit solcherlei Abluft im Sekundenbereich -
bloß, dem Urheber hängt sie lange in den Kleidern: das nächste Baßsolo von Christian McBride hören wir nämlich mit ganz anderen Ohren!

 

erstellt: 10.04.15
©Michael Rüsenberg, 2015. Alle Rechte vorbehalten