Das Bürschlein des britischen Jazz, Jamie Cullum, geht unter die Rezensenten.
Für einen Moment wenigstens, für ein großes Lob des letzten Albums von
e.st., "Leucocyte", im Guardian (05.09.08).
Er hat das Trio mal live erlebt, auf Schloss Elmau, hielt die Musiker selbst zwar "nicht gerade für ausdrucksvolle Performer", gleichwohl schlug ihre Musik ihn in Bann, ließ ihn "bebend und sprachlos" zurück.
Das kann vorkommen.
Cullum leitet seine Rezension mit einer Beobachtung ein, die gültiger ist als jedes Geschmacksurteil:
"Als Jazzliebhaber hat man es schwer, Freunde zu gewinnen."
In der Schule habe er seine Jazz-Obsession noch hinter der Zimmertür oder unter Kopfhörern verborgen. An der Reading University wurde er dann mutiger. Als die erste CD aufliegt, mitten im Solo von
Wayne Shorter in Miles´ Davis "Stuff", schaut Bob, der Nachbar, rein:
"Was ist das denn für´n Scheiß?"
Bob steht auf Chemical Brothers.
Später entdeckt Cullum das Album "Good Morning Susie Soho" von e.s.t.
Und nun, o Wunder, heisst es: "Sogar Bob wurde eine Fan." Er kopiert die CD, spielt sie "ohne Ende" - und fragt den lieben Jamie, was er aus dessen komischer Kollektion als nächstes hören könne.
Alles wird gut.


©Michael Rüsenberg, 2008. Alle Rechte vorbehalten