Ausschnitt aus der Diskussion über den Text "Am roten Meer“ von Sudabeh Mohafez beim diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis am 28.06.08*

KLAUS NÜCHTERN, Juror/A: Ja, also nachdem wir da so irgendwie uns wechselweise die Blusen aufreißen und unsere Liebesgeständnisse entäußern, möcht ich da gerne mitmachen. (Gelächter im Studio) Okay, ich hab mich diesen Text verliebt und ich finde, wir haben heuer eine auffallende Dichte an sehr guten Lesungen, wie die Texte vorgetragen haben, nochmal bestätigt worden, hab ich mich in erster Linie oder hat unter anderem als Musikhörer verliebt. Ich bin halt Jazzfan.
Und dieser Text ist gebaut oder arbeitet natürlich, es ist eine tautologische Aussage, dass Texte mit Rhythmen arbeiten und Musikalität haben und man hat auch irgendwie das Problem, dass man dann immer mit Evidenzen argumentieren muss, weil man sozusagen das auch nicht jetzt so nachweisen kann. Aber mir gehts bei dem Text wie, wie gestern
Burkhard Schmidt, äh, Spinnen, dass ich das Versmaß mithöre und auch mitwippen möchte, und natürlich ist der Text, da stimm ich Daniela Strigl zu, ist kein falscher Ton drin, gleichzeitig ist es kein ökonomischer Text, der arbeitet in der Tat mit Wiederholungen. Auf einer Seite kommt auch neunmal der Name Heinz-Jürgen Gelling vor, den ein ökonomischer Bürokrat dann auch Gelling nennen könnte. Es ist ja auch wohl einer der glanzlosesten Namen, den man sich vorstellen kann.
Aber Heinz-Jürgen Gelling
hat den Swing und darum gehts (Gelächter im Studio), tut mir leid.
Und, und das ist die Ambition dieses Textes. Darüber hinaus ist es ein längst fälliges Plädoyer für die Zärtlichkeit der Feuerwehrleute. (Gelächter im Studio) Weil, das ist ja das Grauenhafte, wenn man mit solchen Institutionen in der Schule, im Spital, Polizei irgendwie in Berührung kommt, dass man wie Material behandelt wird, ja? Dass sozusagen jeder hätte gesagt, du dumme Pute, jetzt mach voran, da unten wollen noch´n paar gerettet werden, was macht er? (steht auf) Er macht so. (umarmt imaginäre Person) Natürlich ist das Liebe. (setzt sich. Applaus im Studio)

DIETER MOOR, Moderator/CH: Ein sehr engagiertes Plädoyer, vielen Dank. André Vladimir Heiz.

ANDRÉ VLADIMIR HEIZ, Juror/CH: Ich meinte, lieber Klaus Nüchtern, es sei jazzy und es sei ein Aufgebot von Metaphern, über die ich manchmal ein bisschen stolpere, wenn sie zu klassisch oder zu konventionell sind und ich habe es gar nie unter der Realität gelesen. Ich dachte, das ist jetzt mal ein Feuerwehr-Swing. And I´m looking and hearing to it.

*Abschrift der Verständlichkeit wegen um zahlreiche Räusperlaute und sprachliche Unebenheiten bereinigt. Unklar obendrein, ob Swing oder swing gemeint war.

©Michael Rüsenberg, 2008. Alle Rechte vorbehalten