Auf Ali Haurand, 64, trifft in gewissermaßen gleissender Deutlichkeit das Diktum von Volker Kriegel (1943-2003) zu, eine "Einzelanfertigung" zu sein.
Haurand tritt in Erscheinung als Bassist und Bandleader, häufig als Veranstalter und Festivalchef, als "Chevalier de l'Ordre des Arts et des lettres", als TV-Moderator und TV-Programmplaner. Manchmal, wenn er im Fernsehen eine Band präsentiert, der er angehört und die er auf einem von ihm geleiteten Festival filmen lässt, gelingt ihm - soziologisch gesprochen - ein
rollen set, der nicht einmal dem Größten in dieser Disziplin, Joachim-Ernst Berendt (1922-2000), vergönnt war.
Jüngst ist Haurand unter die Autoren gegangen. Auf seiner
Webseite versucht er sich an einer Kolumne, in der er die Welt, ganz a la Berendt, durch "ein Fenster aus Jazz", betrachtet. Dieser Blick erfolgt immer wieder durch beschlagenes Glas und produziert deswegen gerne groteske Fehleinschätzungen.
Die Kolumne trägt den Titel "Heavy Travel", die Folge 4 nimmt dort folgenden Auftakt*:
"Ende September 1988 flogen wir, das heißt The Trio mit Gerd Dudek, Rob van den Broeck und mir, zu Konzerten nach Moskau und Vilnius. Nach der Ankunft in Moskau wollten Gerd und ich uns den Roten Platz anschauen. Ich hatte in meinem Leben so viel darüber gelesen und davon gehört. Gemütlich gingen wir beide, ich eine Roth-Händle rauchend, über den Platz. Plötzlich kamen zwei Herrn in Uniform auf uns zu und machten mir klar, dass auf dem Roten Platz Rauchverbot gilt. Na ja, ... in eiliger Schnelle trat ich meine Zigarette auf dem Boden aus. Doch keine glücklichen Gesichter sondern eine Verhaftung war die Folge... Zum Glück haben sie uns nicht lange festgehalten, aber der Schreck saß und die nicht ganz einfachen Diskussionen gaben ein 'wunderbares' Gefühl für Jazz und Improvisation in der ehemaligen UDSSR."

* Originalzitat

©Michael Rüsenberg, 2008. Alle Rechte vorbehalten