Dr. Steinfeld war wieder in einem Jazzkonzert. Im Hauptberuf ist er einer der beiden Feuilletonchefs der Süddeutschen Zeitung, er kann sich die Rosinen herauspicken.
Dr. Steinfeld war beim Konzert des Keith Jarrett Trios in Essen.
Dr. Steinfeld ist in erster Linie Literaturkritiker, ein glänzender Stilist, das muß man sagen. Aber wenn er sich dem Jazz zuwendet, dann in einer Haltung, als seien ihm Töne & Klänge nicht genug. Als reiche ihm nicht, das, was er hört, mit seinem Befinden in Beziehung zu setzen ("...dass einem ganz weh dabei wurde."). Damit ragt er aus der gemeinen Jazzkritik nicht hinaus.
Es muß etwas her, das an einem Abend nur er bemerkt, eine Gedankenrakete aus dem Auditorium hinaus, mit globalem Erkentnisgewinn.
In Essen hat Dr. Steinfeld wieder einen spektakulären Einfall:
"Der Jazz ist, mehr noch als die klassische Musik, eine bedrohte Kunstform, und schlimmer noch als die klassische Musik scheint er mit den vertrauten Hörern zu altern und zu verblassen. Dieses Welken ist auch eine Konsequenz dieser Musik selbst, genauer: eine Folge aus der engen Bindung eines vor allem improvisierten Genres an ein kennerschaftlich verfasstes Publikum, also an eine Gemeinde."
Keine Mißverständnisse, diese These ist im Hinblick auf die handelnden Subjekte des Abends keineswegs bös gemeint - Dr. Steinfeld war hin und weg von
Keith Jarrett, Gary Peacock, Jack DeJohnette ("alte Wölfe, die sich bei Gelegenheit eines Konzertes in junge Hunde verwandeln.")
Wie gesagt, er ist ein eigener Chef. Dr. Steinfeld kann eine solche These ohne jede Begründung zum Abdruck bringen.


©Michael Rüsenberg, 2007. Alle Rechte vorbehalten