Edward Rothstein von der New York Times steht vor der richtigen Tür und öffnet sie mit einer Bravour, wie sie der Jazzkritik normalerweise nicht zu eigen ist.
Mr. Rothstein war bei "
Let Freedom swing", einem der Eröffnungskonzerte von Jazz at Lincoln Center. Neue (Jazz)Töne wurden dort zu historischen Reden gesetzt, u.a. von Martin Luther King, Nelson Mandela, Bischof Tutu, Vaclav Havel und Robert Kennedy.
Irgendwann stiess ihm ein
Missverhältnis auf zwischen Wort & Musik: "Es schien, als würde hier mehr verlangt als tatsächlich eingelöst, als würden die Texte doch besser für sich stehen, als könnten ihre Ideen von Freiheit und Recht nicht vollständig in Klang gekleidet werden."
Wenige Zeilen später hat er das Problem am Haken: "Ein Problem ist, dass der Glanz des Jazz nicht von seiner Allgemeingültigkeit, sondern von seinem Individualismus stammt. Und eben dies ist
nicht gerade die Botschaft etlicher dieser Reden."
Und jetzt hat Mr. Rothstein die Tür so weit
offen, dass die Lösung ihn geradezu anspringt: "Zeigt dieses Konzert nun einen grundsätzlichen Widerspruch, oder war es nur ein Beispiel für nicht eingelöste Ambitionen? Zeigt es die Grenzen des Jazz oder seine nicht ausgeschöpften Chancen?"
Dann lässt Mr. Rothstein die Tür wieder ins
Schloss fallen und legt die Antwort- nein nicht ins Gottes Hand, aber so ähnlich: "Es wird eines der Ziele von Mr. Marsalis´ neuem Institut sein, dies herauszufinden."

©Michael Rüsenberg, 2004. Nachdruck verboten