Ein Sommer wie dieser ist Gift für den Stadtgarten Köln.

Die etwas fortgeschrittenen Kader haben inzwischen gelernt, die Wetter-Korrelation aus den jeweiligen Monatsprogrammen herauszulesen. Faustregel: je weniger Sonnenstunden die Auslastung des Biergartens erlauben, desto mehr spielt der Jazz eine Gastrolle in der Immobilie, die viele nach wie vor "Jazzhaus" bezeichnen.
Der Jazz hat´s seit einiger Zeit schwer, sein Publikum zu finden, im Stadtgarten (wie auch andernorts), und die Lage wird verschärft durch mangelnde Gelegenheiten für diejenigen, die Bier trinken wollen und vom Jazz gar nichts wissen und ihm doch dadurch helfen und auch davon nichts ahnen, in-house-Subventionierung geheissen.
Ein Programm wie das September-Programm aber hat der Sommer 2004 nicht verdient. Dass im Stadtgarten Bücher präsentiert werden oder aus unveröffentlichten Filmskripten gelesen wird oder die
taz Köln einem Kabarettisten eine Diskussion zur Kommunalwahl 2004 überantwortet - geschenkt. Das passt zu einem Programm, dass immer schon "Stadtgarten" und nie "Jazzhaus" war.
Gross aber muss die Not sein, dass an den ersten beiden September-Abenden 2004 die Viva- bzw
Pro7-Kultur Einzug hält: Charlotte Roche und Christoph Maria Herbst (nomen es omen) widmen sich dem Thema "Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern". Das exponentielle Tuscheln entspringt freilich nicht urban fantasy, die beiden versprechen, klinisch korrekt aus einer "Original Doktorarbeit von 1978" zu lesen.
Nun denn, wir sehen die Bude bereits gerammelt voll. Nie und nimmer aber hätten wir geahnt oder auch nur ahnen wollen, dass der Ort eines solchen
Klamauks (unser) Stadtgarten sein könnte.

©Michael Rüsenberg, 2004. Alle Rechte vorbehalten