Ey, zwick´ mir mal, ick versteh´ dir nicht!
Die
taz wartet heute mit einer Buchbesprechung auf. Es geht um "Escaping the Delta. Robert Johnson and the Invention of the Blues" von Elijah Wald.
Die Rezension geizt nicht mit allerlei Neonlichtern der neuen Musikkritik, "beamtoid", "Ideologem" und dergleichen mehr.
Die dicksten Hunde aber sind in dem besprochenen Band selbst vergraben, z.B. dieser Satz hier: "Was die Entwicklung der schwarzen Musik betrifft, war
Robert Johnson eine extrem randständige Figur, und sehr wenig von dem, was in den Jahrzehnten nach seinem Tod passierte, wäre davon beeinflusst worden, wenn er niemals eine Note gespielt hätte."
Einmal abgesehen von der Aussage über Robert Johnson im ersten Satzteil (die sicher den Widerspruch von
Eric Clapton, Bill Frisell, Jason Moran und Cassandra Wilson findet) fragt sich unsereins: ist Elijah Wald oder der Übersetzer oder der taz-Autor Réne Martens logisch mit dem Klammerbeutel gepudert?
Zugabe gefällig?
"Wald kritisiert, dass in den Sechzigerjahren jeder Blues-Künstler, der sich im Nachhinein nicht als Einfluss der Rolling Stones, der Yardbirds oder anderer weißer Rockbands einordnen ließ, quasi aus der Geschichte gelöscht wurde."
So eine Frechtheit! Wer tut denn sowas!
Wir sollten bei der
Staatsanwaltschaft Bonn anfragen, ob ihr bei den Bundeslöschtagen auch Blues-Interpreten untergekommen sind.

©Michael Rüsenberg, 2004. Nachdruck verboten