Ja, war denn der Einsatz von Peter Niklas Wilson - und der vielen vor ihm - umsonst, die Improvisation vom Kopf auf die Füsse zu stellen? Oder vielleicht nur auf zu hohem Niveau?
In
Jazzthetik (Ausgabe 06/04, S. 88) finden wir in folgender Beschreibung, Rezension wäre zu anspruchsvoll, eines Konzertes von John Zorn Cobra beim MaerzMusik Festival in Berlin folgenden Sprung in die Untiefen der Jazz-Ästhetik:
"In Cobra tritt Zorn...als ´Prompter´ auf, der duch das Hochhalten verschiedenfarbiger Karten mit diversen Buchstaben und mittels unterschiedlicher Handzeichen, deren Bedeutungen vorher mit den Musikern vereinbart werden, die Improvisation zwar nicht steuern (sonst wäre es ja auch keine Improvisation mehr) aber doch beeinflussen und auslösen kann."
Hier ergeht zunächst einmal eine Frage an die Semantik der deutschen
Sprache: kennt sie ein Steuern, das gänzlich anderes vorhätte als Beeinflussen und Auslösen?
Mehr noch ist die
Jazz-Geschichte gefordert - sie muss neu geschrieben werden. Nur die "Free Improvisation" (deren Trugschlusscharakter gleichfalls Wilson & Co nachgewiesen haben) dürfte, stimmten die zitierten Sätze, den Ehrentitel in Spruch nehmen.
Die schönen Chorusse von
Bill Evans, das modale Spiel von Miles Davis...alles für die Katz, keine Improvisation, weil gesteuert von changes und Modi.
Gerd Heidemann, übernehmen Sie!


©Michael Rüsenberg, 2004. Nachdruck verboten