TOBIAS HOFFMANN 11 Famous Songs. Tenderly Messed Up ******

01. Intro: My Man´s gone now (Gershwin), 02. While my Guitar gently weeps (George Harrison), 03. Goodbye Pork Pie Hat (Mingus), 04. Pannonica (Monk), 05. Miles runs the Voodoo down (Miles Davis), 06. Iris (Wayne Shorter), 07. Junimond (Rio Reiser, Martin Hartmann), 08. Who knows (Hendrix), 09. It´s alright Ma (Dylan), 10. Things we said today (Lennon, McCartney), 11. Outo: Albatross (Peter Green)

Tobias Hoffmann - g, banjo, Frank Schönhofer - bg, Etienne Nillesen - dr

rec. 18.-21.10.2012
Klaengrecords 003, LC 30645


Ältere Semester dürfen sich erst mal verarscht vorkommen.
Ältere Semester, das sind die, die den britischen Blues-Boom der 60er Jahre live und direkt erlebt haben: das Cover dieses Albums ist ein ziemlich perfektes fake von "Blues Breakers with Eric Clapton" (1966), dem einzigen Album Clapton´s in der Band von John Mayall - ein unstrittiger Höhepunkt der damaligen Welle.
(Dem freilich ein Jahr später mit „A hard Road“ ein nicht weniger überzeugendes unter Beteiligung des kaum weniger begabten Clapton-Nachrückers Peter Green folgte.)
Auch die Rückseite von „11 Famous Songs“ eine fabelhafte sixties-Kopie mit s/w Fotos der drei Kölner Ausführenden anno 2012.
Unter den „11 famous Songs“ dieses Albums, „tenderly messed up“ (zart gegen den Strich gebürstet) findet sich zwar u.a. auch einer von Peter Green - aber kein einziger von „Blues Breakers“ anno ´66! Mit Ausnahme von „My Man´s gone now“ (aus „Porgy & Bess“, 1935) sowie Rio Reiser´s „Junimond“ (1986) sind dies allerdings allesamt Songs aus dem gleichen Jahrzehnt.
Ja, Tobias Hoffmann´s „60er Jahre Besessenheit lässt sich wohl nicht verbergen“. Sie lässt sich vordergründig durch heutige Gitarrenstimmen wie Marc Ribot und Bill Frisell bis zu Hank B. Marvin zurück verfolgen (insbesondere in „Goodbye Pork Pie Hat“ und „It´s alright Ma“), mit viel Echolette.
Cover-hoffmann-trioUnd das Cover der Mayall-Aufnahme, schreibt Tobias Hoffmann, sei als „visuelles Zitat“ einfach „wie ein weiterer Song auf unserem Album“.
Aber, dass wir hier weder „What´d I say“ und  „Hideaway“, noch „Parchman Farm“ oder „Steppin´ out“ gecovert hören, ist zu verschmerzen: Hoffmann´s Alternativ-Liste ist über jeden Zweifel erhaben.
Selbst das völlig aus dem Zeitrahmen gefallene „My Man´gone now“ passt gut dazu bzw. wird passend gemacht von Hoffmann in seinem Solo-Intro, weil er es im Stile der sixties Blues-Gitarre mit viel Wha-Wha-Echo interpretiert.
Mit „While my Guitar gently weeps“ wird dann das hauptsächliche Rhythmusmodell der meisten covers dieses Albums etabliert, es ist keineswegs sixties, sondern der gebrochene Rock-Rhythmus, kurz vor dem Auseinanderfallen, wie ihn z.B. seit den späten 90ern Jim Black mit seiner Gruppe Alasnoaxis entwickelt hat.
Sehr gut kommt die Methode in dem gebrochenen Funk-Marsch von „Miles runs the Vooodoo down“ rüber und in Hendrix´ Band Of Gypsys „Who knows“, wo die Baßgitarre von Frank Schönhofer fest im Riff ankert und die beiden drum herum taumeln, Hoffmann in beiden Stücken ausgiebig mit jenen „Zerr- und Splitterklängen“, wie sie Siegfried Schmidt-Joos zu beschreiben liebte (und weswegen ebenso gerne von Volker Kriegel karikiert wurde).
Dylan´s „It´s alright Ma“, Frisellig und im Stile von Rockabilly nachgereicht, ergibt einen glänzenden Positionseffekt. Und Monk´s „Pannonica“, mit Banjo dargeboten, als wäre es Country & Western, bleibt als ebenso glänzender Einfall leider auf halber Strecke stehen, weil der Dialog mit der Baßgitarre so recht nicht gelingen will.
„Junimond“ kann man mögen, aber - Entschuldigung! - was ist ein Rio Reiser gegen Monk, gegen Mingus, gegen Miles, ja selbst gegen Peter Green´s Edelschnulze „Albatross“ (1968)?
Das Hoffmann Trio spielt sie ohne jede klangliche oder strukturelle Verfremdung, sozusagen in schlichter Ergriffenheit.

erstellt: 30.03.14
©Michael Rüsenberg, 2014. Alle Rechte vorbehalten