DAVE HOLLAND BIG BAND Overtime *******

The Monterey Suite (Dave Holland) I. Bring it on, II. Free for all, III. Time Remembered, IV. Happy Jammy, 5. Ario, 6. Mental Images (Robin Eubanks), 7. Last Minute Man (Holland)

Dave Holland
- b, Steve Nelson - vib, mar; Billy Kilson - dr, Antonio Hart, Mark Gross - as, Chris Potter - ts, Gary Smulyan - bars, Robin Eubanks, Jonathan Aarons, Josh Roseman - tb, Taylor Haskins, Alex Sipiagin, Duane Eubanks - tp, flh

rec 11/2002
Universal/Dare2 Records 982714 2; LC-Nr 00699

Dave Holland hat nach 30 Jahren
ECM Records verlassen. Das erste Produkt auf seinem eigenen Label klingt freilich weder nach Scheidung noch sieht es danach aus (und wird überdies vom selben Vertrieb vermarktet). Wie man liest & hört, sind die beiden Parteien in, wie man es formulieren könnte, gegenseitigem Bedauern auseinandergegangen. Den Bassisten drängte nicht ästhetischer Frust zu seiner neuen Rolle als Label-Chef, sondern gewissermassen familiär-ökonomische Aspekte.
Der Unterschied auch zum Vorgängeralbum "What goes round" (2001) ist so gross nicht, die Besetzung bis auf zwei Auswechslungen stabil, und nach wie vor heisst
Big Band bei Dave Holland: ausgeweitetes Quintett-Format. So beeindruckend als Bassist, ist Holland nur formal im Lager der Gibb´s und Mendoza´s angelangt, brave Satztechnik und brave Kontrapunktik machen noch lange keinen Big-Band-Komponisten aus ihm.
Die Qualität dieser Produktion - wie auch seiner Quintett-Aufnahmen - erschliesst sich, wenn man mit seinem Wahlspruch "swing is constantly redefined" auch hier auf Stellensuche geht. Mit anderen Worten, wenn man sich der Rhythmusgruppe und hier insbesondere
Billy Kilson zuwendet.
In "Bring it on" tut er mehr versteckt selbiges, und plaziert wunderbar einen
uptempo swing. Im zweiten Satz der Suite - die im übrigen thematisch völlig auseinanderfällt, der gemeinsame Obertitel erschliess sich nicht - schält sich nach 10:35 solider Satzarbeit das Quartett Holland/Potter/Wilson/Kilson heraus, und man kriegt einen Vorgeschmack auf das Feuerwerk, das Kilson dann endlich ab 14:17 gegen ein riff der Big Band und schliesslich gegen den Bass vom Boss abbrennt. Das ist beste Tony Williams-Tradition, in die Gegenwart überführt.
Im vierten Satz hat Kilson dann noch einmal seinen Moment mit
Antionio Hart, und "Mental Images" klingt, als es nicht 1994 für Gene Jackson, sondern für ihn, für Billy K., geschrieben.
Seinerzeit, Titelstück des
Robin Eubanks-Albums, war auch Dave Holland dabei, das 13/8-M-Base-Hammerriff schleppte ein wenig - jedenfalls im Vergleich zu der jetzigen Version, der Kilson einen nicht nur schnelleren, sondern völlig anders gearteteten Hintergrund einzieht. So ãklingt“ das bildgebende Verfahren, wenn wir durch den Kernspin einem master at work zuhören & zuschauen dürfen!

erstellt: 29.04.05

©Michael Rüsenberg, 2005, Nachdruck verboten