Jim Beard, 1960-2024

Jim BeardDass die Nachrufe auf ihn nun überschrieben sind mit „keyboardist for Steely Dan dies aged 63“ (Guardian) kommt nicht von ungefähr.
Seit 2008 stand er in deren, in Donald Fagens, Diensten, zuletzt im Januar dieses Jahres in Phoenix/AZ.
Ab Mitte der 80er bis in die 2000er Jahre gehörte er zur Grundausstattung des amerikanischen Jazzrock, angefangen bei Wayne Shorter („Phantom Navigator“), John McLaughlin und dem wieder erstarkten Mahavishnu Orchestra, Michael Brecker, John Scofield, Pat Metheny, Peter Erskine, mehrfach Mike Stern - you name them!
Ende der 80er legt er die ersten Tastenspuren für ein Talent, das die Eindrücklichkeit seiner frühen Jahre nie mehr erreicht hat: Vince Mendoza.
Kein Zufall, dass jener eine seiner besten Kompositionen, „Crossing Troll Bridge“, mit dem hypnotischen vamp-Thema (aus dem Album „Song of the Sun“, 1990) 2008 noch einmal mit dem Metropole Orchestra aufgeblasen hat.
2008, in der Rückschau kommt dem Jahr eine besondere Bedeutung zu, denn da bringt er unter „Pulse and Cadence“ und ausgewechselten Stücketiteln das famose „The Complete Rhyming Dictionary“ von 1992 neu heraus, die beste Handreichung für den Steely Dan-Kollegen und alten buddy aus gemeinsamen Zeiten an der Indiana University, den Gitarristen Jon Herington.
Dort hatte er Jazz bei David Baker und klassisches Piano bei John Ogdon studiert.
Die Konzentration von einem an etlichen Instrumenten interessierten Jugendlichen auf das Piano war zuvor in privaten Stunden bei George Shearing erfolgt.
Ein Mitschüler, der dem Meister gleichfalls über die Schulter schauen durfte, war … Fred Hersch.
Ab 1985 dann New York City; die folgenden zwei Jahrzehnte bringt  Peter Erskine in einem X-Nachruf so auf den Punkt:
„Jim war der Klebstoff und eine große Stütze bei so vielen Projekten.“
Er war ein keyboarder, ein Klangmaler, mit Flöten-haften Beimischungen, nicht unbeeinflusst hier & da von Zawinul, mit durchaus eigener Agenda, weniger ein Pianist.
Sanchez BeardIn den letzten Jahren hat er viel für TV & Film komponiert.
Der Kontakt zum Jazzrock riss nicht ab.
„Was für ein unvorhergesehener Verlust. Er war so eine sanfte Seele und ein wahnsinnig talentierter Künstler“.
Mit diesen Worten begleitet Antonio Sanchez einen Post auf X, mit einem Foto aus der Studiosession des kommenden Mike Stern-Albums, 2023, das ER produziert hat.

James Arthur „Jim“ Beard, geboren am 26. August 1960 in Ridley Park/PA, verstarb am 2. März 2024 in einem Krankenhaus in NYC
an einer nicht näher benannten, plötzlichen Erkrankung.
Er wurde 63 Jahre alt.

 

erstellt: 07.03.24
©Michael Rüsenberg, 2024. Alle Rechte vorbehalten