Was ist Jazz?
Oder, vorsichtiger, was kann Jazz sein?
Szenepersonal, das seriöse jedenfalls, wird zunächst einmal tief Luft holen, eine Antwort ausdrücklich als „Versuch“ deklarieren und mit reichlich Einschränkungen versehen.
Kenntnis braucht Zeit zur Entfaltung.
Soviel Ausdauer hat der große Teil außerhalb unserer schönen kleinen Welt nicht.
Zum Beispiel in Gestalt der Filmkritik.
Dort gibt es, in der FAZ sowie in der FAS, Bert Rebhandl, den wir bis dato für einen lesenswerten, klugen Filmkritiker hielten.
Bis heute - da ließ er sich von einem Filmtopos zu einem Metaphern-Geschwurbel sondergleichen hinreissen.
Der Auslöser: „Mittwoch 04:45“ von Alexis Alexious, „ein griechischer Film noir mit viel Grün, Jazz und Schulden“ (FAS 31.01.16).
Der Jazzclub von Stelios in Athen läuft nicht gut, er braucht Kredite; die aber nimmt er nicht bei einer Bank auf, sondern bei einem Rumänen. Es kommt offensichtlich zu einem shoot out.
Und mehr will man gar nicht wissen, denn Rebhandl geht der Metaphern-Gaul durch:
„Ein Wuschel langer Männerhaarpracht, die in einer Blutlache ihre Fasson verliert, kann Jazz sein. Der Klingelton eines Telefons, das in der Stille nach einem Blutbad ertönt, kann eine brillante Synkope ergeben. Zu Jazz kann man in dem Universum überhöhter und stilisierter Schwermut, das Alexis Alexious mit Mut zum Pathos entwirft, auf jeden Fall tanzen“.
Kann Bert Rebhandl Jazz sein?
Nein. Aber Edelstuss.

erstellt: 31.01.16
©Michael Rüsenberg, 2016. Alle Rechte vorbehalten