Die Begriffe Stadien und John Coltrane, so lautet die  bittere Erfahrung, schließen einander aus. Sie sind bestenfalls im Traume zueinander zu bringen.
Und doch hat Andrian Kreye in der SZ (22.12.15) - niemandem sonst trauten wir einen so kühnen Gedanken zu - die beiden Getrennten zusammen geführt.
Ja er weist sogar Spurenelemente Coltranes in den großen Arenen nach.
Alle Wetter!, ruft unser Freund Herry nun, wie das?
Kreye bespricht in der SZ-Tonträgerkolumne die Wiederauflage mehrerer legendärer Alben des Labels Impulse, darunter „A Love Supreme“ von John Coltrane, ein Schlüsselwerk nicht nur des modalen Jazz aus dem Dezember 1964.
Er ist pflichtschuldigst ergriffen und behauptet,  dass sich den „modellhaften Aufbau einer Intensität“ (wie auf „A Love Supreme“) „ (unzählige Rockstars) von Jimi Hendrix und Carlos Santana bis zu Prince und U2s Bono abschauten.“
Herry ist an dieser Stelle amüsiert, aber mitnichten überzeugt.
„Der Funke, der im Rock auf ein ganzes Stadion überspringen kann, steckt genau in diesen rund 33 Minuten spiritueller Sinnsuche, über die kluge Menschen schon ganze Bücher geschrieben haben.“
Herry sagt, ihm werde ganz blümerant.
Wir nutzen den Moment, ihm noch ein zweites Mal Stadien unterzujubeln, aus dem selben Artikel, nun aber als Plural eines anderen Begriffes. Demnach schleiche sich Pharoah Sanders (in „The Creator has a Master Plan“, zusammen mit Leon Thomas) „innerhalb von einer halben Stunde durch sämtliche Stadien der Erleuchtung, von der Meditation über das Mantra bis zur absoluten Freiheit.“
Herry springt auf: das wäre doch ein Weihnachtsgeschenk für Joachim Gauck.

erstellt: 23.12.15
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