Ende April weilen 15 Jazz-Multiplikatoren in Berlin, sie kommen von weit her, aus der Mongolei, aus Japan und Korea, aus Südafrika und aus England. Sie sind eingeladen von der Initiative Musik, die von der öffentlichen Hand genährt wird; diese NGO schickt die bunte Schar auf eine "fact finding" tour, darunter unstrittige Fakten wie der Club A-Trane oder das frühere RIAS-Funkhaus.
Die Berliner Jazzmanufaktur besuchen sie nicht - sie kommt zu ihnen.
Die Berliner Jazzmanufaktur, wir erinnern uns, wurde jüngst ausgezeichnet bei der jazzahead, weil sie "Menschlichkeit generiert" und journalistisch "auf oberstem Niveau" sich bewegt.
Hätte nicht Peter Bacon hat in seinem Blog thejazzbreakfast darüber berichtet, dem Steuerzahler wäre verborgen geblieben, auf welchem Niveau Gäste der Bundesrepublik Deutschland diesmal unterrichtet wurden.
Sie vernahmen die "Theorie"  (Peter Bacon) der Berliner Jazzmanufaktur, 9/11 habe "den Einfluss des US-Jazz geschwächt."
Waitaminute, 9/11, ist das nicht eine Weile her? Bedrängt uns das jetzt?
Aber, da Bacon die Berliner Jazzmanufaktur zu den "Jazz-Historikern" zählt, ist der große Rückgriff unbedingt notwendig.
"Während andere Kunstgattungen in den USA sich mit dem Anschlag beschäftigt und ihn kommentiert haben, hat der Jazz, trotz seiner Tradition des politischen Engagements insbesondere in den 60ern, dies versäumt und deshalb an Einfuss verloren", soll die Berliner Jazzmanufaktur gesagt haben.
Und nun reicht Bacon eine These weiter, dessen alarmierende Botschaft alle einschlägigen Experten von Elmar Thevessen (ZDF) über Alexander Eisvogel bis Georg Mascolo verpennt haben:
"Improvisation wurde zu einem Unwort - der Begriff wurde eher mit Terrorismus als mit Jazz in Verbindung gebracht!"
Ist das Jazz-Geschichtsschreibung auf "oberstem Niveau" oder nicht einfach nur ein Gedankenfurz, der durch die Decke will?

erstellt: 07.05.15
©Michael Rüsenberg, 2015. Alle Rechte vorbehalten