Wenn die FAS, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, sich für Jazz interessiert (was selten vorkommt), dann geht es - wie auch im Feuilleton der SZ - fast immer um das Große Ganze, dann kann die Fallhöhe gar nicht groß genug sein - auch wenn lediglich ein neues Album von Till Brönner ansteht (FAS, 30.11.14).
Auch wenn inzwischen Legionen von Jazzmusikern morgens „im schwarzen Anzug mit weißem Hemd“ vor den Reportern erscheinen, die FAS kann nicht anders, als erst mal schauen, ob nicht nur ein kluger, sondern auch ein schöner Kopf herausschaut:
„Darf ein Jazzmusiker so gut aussehen?“
Brönner geht bei seinem neuen Projekt „The Movie Album“ von der - nachvollziehbaren - Prämisse aus, „es gibt zwar Soundtracks, aber kaum noch große Melodien“. Also hat er im berühmten Eastwest Studio auf dem Sunset Boulevard (in Älleiji) mit Orchester (und Vinnie Colaiuta, dr) einige jener Stücke aufgenommen, die sicher nicht nur nach seiner Meinung die großen Melodien enthalten, z.B. „The Godfather“ und „Moon River“.
„Till Brönner will auf seinem neuen Album die Filmmusik retten“ brezelt die FAS in der Überschrift dieses schlichte, wenn auch kostspielige Vorhaben auf - obgleich der Trompeter nichts dergleichen verlautbart und der FAS-Lauscher (Thomas Lindemann) in den Seilen hängt: „Diese Platte macht oft ratlos. Sie ist technisch brillant. Aber was will sie nur?“
Ja, was will sie nur?
„Dass die Filmmusik gerettet werden müsse, steht natürlich nirgends explizit dabei, aber anders kann man eine solche Platte kaum verstehen.“
Ist das jetzt das „alternativlose“ Hören?
Der banale Bruder der „alternativlosen“ Politik in Berlin?

erstellt: 30.11.14
©Michael Rüsenberg, 2014. Alle Rechte vorbehalten