In der Beschreibung der nicht-klassischen Musik-Topografie (bei der der Jazz wiederholt streng gefragt wurde, ob "das Genre noch relevant ist", sein Kunst-Charakter aber nicht bestritten wurde) springt das Feuilleton der SZ heuer mächtig voran:
Heavy Metal, "die Musik der großen Akkorde und noch größeren Gesten (ist) auf dem besten Wege, zu Kunst zu werden" (Fehler in der Präposition aus dem Original).
Erfahrung lehrt, gerade aus der SZ, dass solche Überschriften in einem sehr dynamischen Verhältnis zum Haupttext stehen. Insoweit überrascht nicht, dass eine Beschreibung jener „großen Akkorde“ ausbleibt. Musikalischen Fakten kommt der Text am nächsten mit Beobachtung wie „Bassdrumschläge wie am Fließband“ (die übrigens „den Alltag der Leistungsgesellschaft spiegelten“).
Yes folks, wir sind im deutschen Feuilleton, da sind Erörterungen beliebt, die ihr Aroma aus dem Aufbrühen alter Teebeutel Adorno beziehen.
„Heavy Metal übersetzt das Unbehagen in der Kultur in eine Kultur des Unbehagens“.
Das ist Musikologistik für Germanisten und Kulturwissenschaftler: „sein Erfolgsrezept basiert (...) nicht auf semantischen Codes.“ Andernorts geht so was als Schwachsinn durch.
Hatte nicht Franz Beckenbauer recht?:
„Ferrari, Adorno, Maserati - da koanst jeden nehmen!“

©Michael Rüsenberg, 2012. Alle Rechte vorbehalten