Sonny Rollins ist und bleibt derjenige unserer Helden mit einem zuverlässig hohen Kokolores-Koeffizienten - sowohl aktiv als auch passiv. Nun reüssiert er in dieser Eigenschaft an einem schönen Ort, bei "Willemsen hört" (Zeit vom 15.3.07).
Willemsen folgt einem Prinzip, das aus der Klassik kommt, aber auch in unserer kleinen Welt sehr beliebt ist, dem
Biographismus: "Ich kenne die Lebensumstände eines Künstlers, und die höre ich auch in seiner Musik."
Sonny Rollins´ jüngstes Album, entstanden nach dem Tode seiner Ehefrau Lucille (mit der er 47 Jahre verheiratet war), trägt als Titel ihre Mahnung "Sonny Please", die Willemsen korrekt mit "Nu reiß dich zusammen" übersetzt.
Diese Umstände inspirieren ihn zu der Hörfrucht: "Aber hörbar sind die Tränen auch, wenn sie nach innen laufen."
Mag diese Metapher noch durch die Toleranzen des Poetischen gedeckt sein, so legt Willemsen wenig später aber mit einer stärkeren Macht sich an, mit den Gesetzen der Physik:
"...der Weg zum Ohr sucht die direkte Linie..."
Ist eine Musik denkbar, die vielleicht einmal die
in-direkte Linie genommen; gab es Schallwellen, die überhaupt je gesucht hätten?
Gibt es keine Schlußredaktion in der Zeit, die unserem guten Roger hätte zurufen können "Nu reiß dich zusammen"?


©Michael Rüsenberg, 2007. Nachdruck verboten