Es stinkt im hohen Norden. Michael Naura, 72, Hollbüllhuus bei Schwabstedt, ehedem Leiter der NDR-Jazzredaktion, beschliesst das Jahr, wie er es begonnen hat.
Im Frühjahr hatte er "Certain Beauty" von Heinz Sauer & Michael Wollny mit reichlich
Eigenlob begossen.
Jetzt macht er ebenso auf (s)ein neues Druckwerk aufmerksam.
Das geschieht nicht mehr an einem so entlegenen Ort wie den liner notes einer
CD, sondern in der zweiten Zentrale des deutschen Großfeuilletons, in der Zeit.
Naura empfiehlt dort verschiedene CDs. In der letzten Rubrik "Ein Buch, welches das Hören erleichtert" aber kann er das Wasser nicht mehr halten und rät - zu sich selbst (Michael Naura: "Cadenza - Ein Jazzpanorama", EVA, 176 S., 30 EUR). Begründung: "Der Weihnachtsmann hat mir das diktiert. Jawoll!"
Kenner der Hamburger Verhältnisse nehmen keinen Anstoß daran, sie deuten vielmehr die Wahl des Subjektes ("Der Weihnachtsmann") als Ausdruck des Respektes vor der publizistischen Tradition der Stadt. Da Naura nicht bei "Tempo" gearbeitet habe, sei ihm das "Ich" verwehrt. Die Wahl des jahreszeitlichen korrekten Handlungsträgers ("Der Weihnachtsmann") gilt in diesen Kreisen als hochoriginell und keineswegs als Stigmatisierung, wie in anderen Teilen des Landes ("Du Weihnachtsmann!").


©Michael Rüsenberg, 2006. Alle Rechte vorbehalten