Grosse Freude bei der Jazzpolizei, hat sie doch in diesen Wochen quasi hellseherische Fähigkeiten demonstriert:
"Warum hat GG in der SS-Division Frundsberg keinen Schuss abgegeben - vielleicht weil er heimlich Louis Armstrong gehört hat?".
Ja, so hatte man herumgeulkt auf der Wache - ohne zu ahnen, wie nahe man einer neuen Gra-ss´schen Volte wirklich war.
Leider sind die Buchankauf-Etats schon lange gestrichen, und also kannte kein wackerer Jazzpolizist aus der Lektüre von Michael Jürgs´ GG-Biographie und GG´s eigenem "Beim Häuten der Zwiebel" jene Passage, wonach GG mit
Louis Armstrong "gejazzt" habe.
"Armstrong kam vorbei im Düsseldorfer ´Csikós´ und war so beeindruckt von der Combo aus Flöte, Banjo und Waschbrett, daß er sich die Trompete aus dem Wagen holen ließ, um eine kleine Glückseligkeit lang mit den unbekannten Musikern eine Dixieland-Jamsession abzuhalten. " (
FAZ vom 8.9.06)
"Das ist zwar nicht wahr", zitiert die FAZ den Banjo-Spieler jener legendären Truppe, Günther Scholl - "aber gut erfunden."
Leider, schliessen nun die literaturkritischen in der Jazzpolizei, müsse man deshalb die (deutsche) Jazzgeschichte nicht neu schreiben.
Der Waschbrettspieler Günther Grass bleibt legendär - aber ohne den Ritterschlag durch Louis Armstrong.


©Michael Rüsenberg, 2006. Alle Rechte vorbehalten