Die Deutschen mögen Zappa. Seit 1968, wo er sein hiesiges Debut in der Grugahalle Essen gab, bis heute, wo alljährlich in Bad Doberan um eine hässliche Zappa-Büste herum Fans, Musiker und Veteranen seiner gedenken.
Die Deutschen mögen Zappa und missverstehen ihn. Seit 1968, wo man meinte, ihn für die APO (ausserparlamentarische Opposition) rekrutieren zu können, bis heute, wo das Bezirksparlament Marzahn-Hellersdorf beschlossen hat, im Osten Berlins eine Strasse nach ihm zu benennen - dem (nun folgt das Lieblingsattribut der Deutschen, von dem sie gar nicht lassen können, am wenigsten spiegel online)...nun ja ...hier ist es...."
Bürgerschreck" Zappa.
Zeitlebens hat der solchermassen Etikettierte sich über derlei Zuordnungen amüsiert und als "Gang in die Archive" beschrieben, womit eine jeweils neue Journalistengeneration bei der vorherigen abkupfert.
"Viele Sender boykottierten seine schrille, von Kritikern aber als Avantgarde-Kunst gefeierte Musik. Für das Establishment blieb er Zeit seines Lebens ein Skandalmusiker", schwafelt
spiegel online.
Es ist, als wäre das Real Frank Zappa book nie erschienen, dessen 17. Kapitel lautet "Praktischer Konservatismus":
"Politisch halte ich mich für einen (nicht lachen?)
praktischen Konservativen. Ich möchte eine kleinere, weniger aufdringliche Regierung und niedrigere Steuern. Wie? Sie auch?"
Was danach auf 22 Seiten folgt, könnte ein jeder von
Guido & den Westerwelles auch unterschreiben.
Frank Zappa war, das lässt sich nachlesen, einer derjenigen, die heute als "betriebssame Bürger" (Franz Walter) durchgehen.
Eine Strasse in Berlin-Dahlem passte besser zu ihm.


©Michael Rüsenberg, 2005. Nachdruck verboten