"In Mitschnitten und Aufzeichnungen von den renommiertesten Jazz-Festivals gibt 3sat einen Eindruck von der Vitalität der aktuellen Szene" - ein solcher Satz, lehrt die Erfahrung, endet nicht gut. In diesem Falle schliesst er mit -"ohne Angst vor schrägen Tönen".
Der Jazz der Gegenwart mag an diesem & jenem leiden, mit die grössten Schmerzen ruft die Umarmung durch Gutwillige hervor, die z.B. mit solchen Sätzen quälen: "Bei Fusion, Acid, Swing und Free-Jazz fühlen sich Eingefleischte und Hartgesottene genau so wohl wie Newcomer und Schnupperwillige".
Abgesehen davon, dass der Autor einer solchen Aussage nicht weiss, wovon er redet, formuliert er damit eine Stigmatisierung besonderer Art, nämlich den Appel, gar nicht erst einzuschalten.
3sat nämlich "präsentiert Top-Musiker aus allen Stilrichtungen und Grenzgebieten" - zu Zeiten, die weniger für Menschen im Wachzustand als für solche mit Kenntnissen in der Programmierung von Videorecordern gedacht sind. Und solche Kulturtechniken, lehrt die Erfahrung, sind unter "Newcomern und Schnupperwilligen" besonders verbreitet.

Kleiner Auszug aus dem 3sat-Sendeplan:
Samstag, 26. März 2005
03.15 Uhr: John Scofield-Joe Lovano Group feat. Dave Holland/Al Foster
04.43 Uhr: Don Alias / Marilyn Mazur / Lisbeth Diers

Mittwoch, 30. März 2005
02.40 Uhr: Kenny Garrett Quartet
03.49 Uhr: Chris Potter Quartet
04.52 Uhr: Peter Weniger Project

Samstag, 14. Mai 2005
02.45 Uhr: NDR Big Band meets Roberta Gambarini
03:44 Uhr: JazzBaltica-Ensemble, Leitung Lars Danielsson


©Michael Rüsenberg, 2005. Nachdruck verboten