LARS JANSSON TRIO I am that ******

1. I am that (Lars Jansson), 2. It´s already there, 3. The Sky is here, 4. Non-doing, 5. Appleton, 6. Give me five, 7. Time to be alone, 8. Reborn every moment, 9. The inner Child, 10. Diminished, 11. Sitting silently, 12. Latour, 13. Remembering

Lars Jansson - p, Lars Danielsson - bg, Anders Kjellberg - dr

rec 09/2004
Imogena Records EGCD 115
www.imogena.se

Die Dissertation möchte ich gerne lesen: die den skandinavischen Jazz mit nationalen Mentalitäten in Einklang bringt. Den norwegischen Jazz in seiner üppigen ästhetischen Breite, mit seinem Hang zur Elegie, aber auch zum Experiment; den finnischen, nicht gar so variationsreich, mit seinem Hang zu Sibelius (die berühmte Akademie!) und zur Gitarre - und den den schwedischen, nicht nur geographisch in der Mitte, am ehesten noch verwurzelt in der Jazz-Konvention, mit seinem auffälligen Reichtum an Pianisten.
Unter ihnen der 1951 geborene
Lars Jansson. Zu seinen letzten Arbeiten zählt ein Album mit Paolo Fresu ("Giving Receiving", 2000) im leichten Modernisierungs-Gewand. 2002 (mit "Whitnessing") verlegt er sich wieder auf das Trio, das er seit 1985 leitet, mit dem er jetzt ein neues Album vorlegt. Die klassische Trio-Besetzung also, freilich mit einem nicht-klassischen Programm.
Nicht ein Standard ist im Repertoire, aber ein
Blues im 5/4-Takt ("Give me Five"), ein leicht afrikanisierter 6/8 ("Latour") und ein Jazzrock-Stück mit melodischen Assoziationen an Deep Purple´s "Smoke on the Water", aber rhythmisch herrlich abgefahren ("Reborn every Moment").
Das Thema, vom Bass vorgetragen, läuft binär (in rockigen Achteln), im Piano-Solo wechselt das Trio in einen fast swing - bloss
Anders Kjellberg bleibt eine Zeit lang (nur noch) mit der snare im Rock-Feeling hängen...umso grösser die Entspannung, als auch er schliesslich mit dem ganzen Apparat swingt. Im Bass-Solo sowie im Schluss-Thema sind alle wieder binär-rockig beisammen - ein wunderbarer Einfall, Kraft & Eleganz dermassen zu dosieren.
Keine Standards? "The Sky is here" klingt als ob...und "It´s already there" - nomen es omen - könnte thematisch durchaus von
Keith Jarrett stammen, ein volltönender swing in mittlerem Tempo. Jansson´s Gestus hier wie fast überall ist sehr narrativ geprägt, und auch wo er nicht nach Jarrett klingt, beherrscht seine Combo doch dessen schöne Technik des rubato, also des Balladenspiels mit je individuellem Tempo. Im Gegensatz zum Herrn Esbjörn swingt Jansson mustergültig, ist pianistisch der entwickeltere - aber gänzlich ungeeignet zum hype, schon optisch kann er nicht mithalten. Die Titelseiten unserer kleinen Welt bleiben ihm schon deshalb versagt.
Dafür steht ihm die akademische offen. Jansson hat eine Musik-Professur in Aarhus/Dänemark; damit verdienen allein aus diesem Trio zwei Schweden ihren Lebensunterhalt in
Dänemark...ganz zu schweigen von den schwedischen Sängerinnen des Django Bates.
Wer erklärt uns das?

erstellt: 23.01.05

©Michael Rüsenberg, 2005, Alle Rechte vorbehalten