Johannes Mario Simmel hat Jahre gebraucht, Heinz Erhardt reichen allein die Aufwallungen anlässlich seines 100. Geburtstages zur Seligsprechung durch das Feuilleton.
Selbst auf unsere kleine Welt fiel dabei eine Sternschnuppe herab: "Er konnte swingen."
Wer? Heinz Erhardt? Jo!
Die
ZEIT bietet keine schlechtere Gewährsfrau dafür an als Aki Takase. Zunächst testet man sie mit einer Analogie: "Dieser für Heinz Erhardt typische Witz fällt ja durch zweierlei auf: Er spielt mit der Zeit und mit dem Raum. Die Erzählzeit ist verzögert, der Raum verdreht. Ist das eine Ähnlichkeit zum Jazz?"
Die Pianistin wehrt ab: "Wir spielen auch mit der Zeit und mit dem Raum. Aber die Erzählzeit ist nicht verzögert und der Raum auch nicht verdreht. Insofern keine Ähnlichkeit zum Jazz."
Das könnte es gewesen sein. ZEIT-Interviewer (Ulrich Stock) hat aber mehr in petto: "Sie haben Heinz Erhardt als Ihren Lieblingskünstler, Lieblingsschauspieler und Lieblingsmusiker bezeichnet."
Das mit dem Lieblingsmusiker stimmt zwar nicht, aber Aki Takase, die "ihn mal zufällig im Fernsehen gesehen" hat, kann auf Anhieb vier Erhardt-Filme als "Lieblingsfilme" benennen, und obgleich sie die "Populärmusik der fünfziger Jahre nicht kennt", weiß sie doch: "...er konnte swingen und war eine sehr starke Persönlichkeit."
Ob Heinz Erhardt je in Tokyo war? Frau Takase glaubt es nicht.
Wir aber wissen, dass auch Hildegard Knef swingte - Gerhard Wendland müssen wir noch mal nachhören.



©Michael Rüsenberg, 2009. Alle Rechte vorbehalten