In der Weihnachtsausgabe der SZ finden wir einen schönen Gedanken, der hilft, das Jahr 2005 aus unserer kleinen Welt zu verabschieden und das neue zu begrüssen: mit dem Vorsatz, hinfort die "Dauerberieselungsanlage Grenzüberschreitung" abzustellen!
Leider taucht das Stichwort unserer Obsession in dem Beitrag nicht auf. Aber wem der Dauernebel des Begriffes (nebst seiner albernen Anglophonisierungen, die alle mit "Border..." beginnen) schon lange auf die Augen schlägt, der nimmt nicht ohne innere Anteilnahme die Diagnose von
Lothar Müller zur Kenntnis: "Wo aber Grenzen keine ernsthaften Hindernisse mehr darstellen, wird das Pathos der Grenzüberwindung nicht nur anachronistisch."
Es lohnt sich darüber zu streiten, welchen Verlauf Müllers Ausweg, dem Laokoon-Prinzip sich zuzuwenden, nunmehr im Jazz nähme, ("...die Definition der Künste durch die Bestimmung ihrer Grenzen, wie sie
Lessing in seinem ´Laokoon´ mit Blick auf die bildende Kunst und Poesie vorgenommen hat.")
Für erste reicht schon, die hölzerne Symbolik der Grenzüberschreiter mit einem uralten Motto aus der
Titanic abzufackeln: "Bitte die Ausweispapiere bereithalten, wir nähern uns der Grenze des Guten Geschmacks!"


©Michael Rüsenberg, 2005. Nachdruck verboten