Lieber Wolfram (Knauer), der Grosse Definator hat sein Imperium jüngst um ein Signum der Macht bereichert, und man muss sich nachgerade wundern, dass er es nicht längst schon hatte: ein Wyntosium, pardon: ein Symposium am Hofe von His Wyntoness.
Im Walter Reade Theater am Lincoln Center (das ist wohl eine Mischung aus John F. Kennedy Haus und Centralstation in Darmstadt) zu NYC ging es über die Bühne, vor 200 geladenen Gästen (bei einem solchen Andrang kämet Ihr
in Darmstadt vor Lachen nicht in den Schlaf), zum Thema "Jazz und amerika-
nische Demokratie", mit
Bill Clinton als Stargast.
Ich war nicht dort, ich kann nur wiedergeben, was die New York Times reportiert, danach waren sich "alle" einig, dass Jazz und Amerikanischer Demokratie "das Konzept von Kreativität innerhalb Strukturen" gemeinsam sei. Der frühere Präsident habe sich zu Aufnahmen von Stan Getz, John
Coltrane und Coleman Hawkins geäussert, aber auch angemerkt, Dexter Gordon sei nach Skandinavien gegangen, weil er dort auf eine weniger rassistische Gesellschaft getroffen sei.. Umgekehrt habe er damit das Interesse an Amerika geweckt; Jazz als Botschafter Amerikas, wir kennen diesen Standard.
Nämliches sei ihm kürzlich in Russland wiederfahren, wo Igor Butman ("my favorite living saxophon player") für ihn gespielt habe, alle hätten ihn - Clinton und seine Entourage - gemocht, denn "sie sahen uns mit den Augen des Jazz".
Das ist fast so gut wie "Ein Fenster aus Jazz" von
Joakim Ernst Börendt.
Du weisst, Wolfram, auf einem Symposium bleibt ein engagiertes Wort selten
unwidersprochen, also beeilte sich Wynton Marsalis "Was für ein Zufall!" zu rufen, schreibt jedenfalls die New York Times, "Igor Butman war bis um 2 Uhr früh heute bei mir. Wir haben Wodka getrunken."
"Warum hast Du mich nicht angerufen?", darauf der Ex-Präsident laut NYT,
"Mir schmeckt Wodka doch viel besser als Dir!"

©Michael Rüsenberg, 2004. Alle Rechte vorbehalten