STEFAN KARL SCHMID, LEONHARD HUHN Schmid´s Huhn *******

01. French Roast (Stefan Karl Schmid), 02. Mentorship, 03. Die 3A, 04. Ag Ni (Huhn), 05. Most likely (Schmid), 06. Lewd fat Bells (Huhn), 07. Pide Edit , 08. Somewhat smart (Schmid), 09. Gently deranged, 10. Zargenplausch (Huhn)

Stefan Karl Schmid - ts, acl, Leonhard Huhn - as, Stefan Schönegg - b, Fabian Arends - dr
    
   
rec 19.+ 20.02.14
Shoebill Music SB 14008; LC 30910
(limited edition 12“ LP incl. album-download)


Wir haben auf diese Truppe gewartet. Es ist die Nachfolge-Combo zum Olaf Lind Quartett.
Und wie jener kommt auch dieser Name missverständlich daher. War jener aus den Namen der Bandmitglieder zusammengesetzt und summierte sich zu einem virtuellen Bandleader, so haben die beiden Hauptmatadore diesmal ihre bürgerlichen Namen zu einem Titel verbunden, der auch in Köln karnevalistisch gedeutet werden könnte:
„Schmid´s Huhn“, das liegt phonetisch, da nicht alle den Vokal im Namen des Deutsch-Isländers Stefan Karl Schmid korrekt dehnen, verdächtig nah an einer zentralen Figur der kölschen Folklore („Dem Schmitz´ sing Frau ist durchgebrannt, tralalalala...“).
Wer Schmidt & Huhn live erlebt, erkennt, diese Männer sind von jeder Narretei denkbar weit entfernt, sie konzentrieren sich knochentrocken auf ihre Aufgabe.
Und das ist ein fein gesponnener Neo Cool Jazz, wie sie ihn vom Olaf Lind Quartett mitgenommen haben, unter Auswechslung der Rhythmusgruppe. Der Schlagzeuger Fabian Arends, ein Schüler von Jonas Burgwinkel, ist ein echter Zugewinn.
Wer ihm im rockigen Schlusspart von „Somewhat smart“ genauer zuhört, vor allem aber seinen hyper-aufmerksamen Interventionen in „Die 3A“, der mag einen Einfluss seines Lehrers erkennen.
Aber der Bassist Schönegg ist auch nicht von Pappe; zusammen mit Arends rückt er durchaus anderen „Kölner“ Teams nahe, etwa Landfermann/Burgwinkel, aber auch Penman/Rückert von Root 70.
Cover-Schmids-HuhnMit delikatem groove switching wie dort startet diese Produktion, das ist wirklich ein cutting edge drive durch diverse offbeat-Landschaften. Schmid & Huhn, die beiden Melodiker, haben ihr Instrumentarium gegenüber Olaf Lind deutlich reduziert, sie umspielen einander in kontrapunktischer Vielfalt. Ein Schelm, der dabei nicht an historische Vorläufer wie Mulligan & Baker denkt.
Aber ja, ja, ja, sie haben ein anderes Vokabular, und um sie herum passiert etwas ganz anderes, und bei einem so kratzig gestrichenen Kontrabass wie in „Ag Ni“ hätten sie damals nach dem FBI gerufen.
„Ag Ni“ aber ist der zentrale Ausweis dieser neo-coolen Ästhetik, die fast gehauchte multiphonics ebenso kennt wie einen kraftvollen Rock-Beat.
Das Ins-Instrument-Hineinpusten hier ist der einzige Scherz, den die vier sich erlauben. Ach ja, im Schlussstück werden sie regelrecht ausgelassen und garnieren ihr Gleiten durch Grooves und Tempi mit einem nicht näher identifizierten Sprechgesang in Horrortiefe und Falsettstimmchen obenauf.
Den track und den davor erhält nur, wer die 12“ LP kauft und den im Kaufpreis enthaltenen download auch wirklich durchführt.
Auch damit gehören Schmid´s Huhn zu den avancierten Kadern.

erstellt: 04.11.14
©Michael Rüsenberg, 2014. Alle Rechte vorbehalten