FRANK GAMBALE Raison d´Etre ****

1. Foreign Country (Gambale), 2. Cachination, 3. Bittersweet, 4. Table for one, 5. Nouveau Vignettes: Debut Solo, 6. Melodique, 7. Two Minutes B.C., 8. Kaanapali, 9. May the fourths be with you, 10. Monkey Wrench, 11. Smug, 12. Complex Emotions

Frank Gambale
- g, Ric Fierabracci, Steve Billman- bg, Billy Cobham - dr

rec 12/03, 01/04
ESC Records ESC 03691-2; LC-Nr 01263

Gerade eben erst hat Frank Gambale neue Se(a)iten gezeigt: bei
Vital Information "Come on in", vor allem aber "A Guitar Supreme" - jazznäher, mehr auf Pat Martino denn auf die übliche Raserei bezogen...da fällt er im Verein mit Chick Corea in alte Spuren zurück.
Mit seinem jüngsten Album in Eigenregie zieht er in der Tat neue
Saiten auf: er verwendet eine auf ihn zugeschnittene Doppelhals-Gitarre, oben konventionell gestimmt, unten im gambale noveau tuning®. Guitar buffs werden weitaus mehr Nektar aus dieser Angabe saugen als wir gemeine Hörer, die wir lediglich auf originelle Konzepte aus sind. Wir hören nur, Gambale klingt noch Holdworth-iger, andererseits auch Country-näher. Mag sein, dass sein neues Instrument dichtere Akkorde erlaubt - gute Ideen wären uns lieber gewesen.
Denn mag Frank Gambale gitarren-
technisch noch so sehr bestechen, er ist und bleibt ein lausiger Komponist, der kaum über den Korpus seines Instrumentes hinausdenkt.
"Raison d´Etre", anspruchsvoll französisch, gibt sich das Werk, es wäre zutreffender "
predictable" überschrieben, denn nachdem im ersten Stück eine Passage im Reggae á la Police überraschenderweise auftaucht, ruht die Produktion bis zum Schluss in einem Ebenmass, das der Langeweile zum Verwechseln ähnlich scheint.
Der neue Bassist der
Elektric Band, Ric Fierabracci, der auf sieben - und damit auf der Mehrheit der Titel - miwirkt, teilt sich mit Steve Billman die Aufgabe des Pastorius-sound-a-like. Der Altmeister des Jazzrock-Schlagzeugs, Billy Cobham, beeindruckt immer noch mit seiner snare-drum-Technik, von gestalterischer Mitwirkung, von Interaktion gar, wie sie bei vielen seiner jüngeren Kollegen zum guten Ton gehört, kann freilich keine Rede sein.
(In wenigen Wochen wird auf demselben Label
Bill Connors sein "Return" geben, mit weniger handwerklichem Aufwand, aber einer riesigen Ausbeute an Esprit & Musikalität.)

©Michael Rüsenberg, 2004, Nachdruck verboten