Er war einer der größten Soulbrüder, die je am Jazzpiano Platz genommen haben.
Aber in Erscheinung trat er als Herr, als Gentleman, er ließ keinen Zweifel aufkommen, dass einem ein Afro-Amerikaner entgegentritt. Jive-Talk war nicht Teil seiner Interviews, er wog seine Worte sorgsam, fast möchte man sagen „elegant“ - es war eine Delikatesse, ihm auch in dieser Rolle zuzuhören.
Seine Bedeutung für das Jazzpiano wird, nun da er verstummt ist, vermutlich von Forschern en detail aufbereitet werden. Zeitlebens wurde sie verdeckt durch den Umstand, dass seine Kunst oftmals sehr populär war.
Er sah sich in der Tradition der territory musicians, einer schwer beschreibbaren Tradition schwarzer Musiker, die in den 30er Jahren aus den Südstaaten in alle Gebiete der USA ausstrahlte.
Joseph Leslie Sample, geboren am 1. Februar 1939 in Houston/Texas, begann als Fünfjähriger mit dem Klavierspiel. Gefährten wie Wilton Felder und Stix Hooper, mit denen er später die Jazz Crusaders sowie die viel erfolgreicheren Crusaders formte („Street Life“, 1979), traf er bereits in der High School. Ein Elektro-Piano, mit dem er vor allem den Funk-Jazz der Crusaders in den 70ern intonierte, besaß er ab 1963.
Auch als Studiomusiker kam er prominent zum Einsatz, u.a. bei Steely Dan („Aja“ und „Gaucho“), Tina Turner („Private Dancer“), B.B. King („Riding with the King“) und mehrfach bei Joni Mitchell.
Zuletzt war er viel mit der Sängerin Randy Crawford unterwegs, 2012 erschien ein Album mit der NDR Big Band. Im Juli hatte ein Musical unter seiner Mitarbeit, „Quadroon“, Premiere in seiner Heimatstadt Houston.
Joe Sample starb am 12. September 2014 in Houston an einem Bindegewebstumor, er wurde 75 Jahre alt.
Jazzcity ehrt Joe Sample mit einem Ausschnitt aus einem JC-Interview, in dem er sich Wynton Marsalis vorknüpft: dessen in Ken Burns´ Fernsehserie geäußerte Behauptung, schwarze Jazzmusiker wären aus Armut in die Improvisation gestolpert und hätten diese dann zu großer Kunst entwickelt. Sample macht die - historisch - korrekte Gegenrechnung auf, in dem er auf die Improvisatoren Bach & Beethoven verweist. Und ausnahmsweise kommt ihm das Wort „sh..“ über die Lippen...
PS: Spitze heute wieder das deutsche Großfeuilleton, Abteilung FAZ:
der gleichfalls verstorbene "Jazzer" Ralf Bendix ("Babysitter Boogie") wird in einem weitaus längeren Nachruf gewürdigt als der "Organist" Joe Sample.
Joe Sample = Organist?
Haben wir sein fettes Fender Rhodes, seinen delikaten Flügelklang fälschlich gehört?
PPS: etliche Besucher des Sample-Konzertes 2009 in der Tonhalle Düsseldorf reiben sich die Augen: hat Steve Gadd vielleicht gar nicht Schlagzeug gespielt, sondern Trompete?
erstellt: 15.09.14
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