Bill BrufordBitte Ruhe bewahren, noch ist es nicht so weit. Aber in absehbarer Zeit werden wir ihn als Dr. Bill Bruford ansprechen müssen/dürfen.
Für den allergrößten Teil unserer kleinen Welt ist das ohne Belang, weil er seiner sowieso nicht mehr angesichtig werden kann:
seit dem 01.01.09, wenige Monate vor seinem 60. Geburtstag, betritt er keine Bühne mehr.
Mit einer Unterbrechung von gut 45 Jahren strebt damit eine akademische Karriere ihrem Gipfel zu, die  während zweier Monate 1968 zu kaum mehr als der Zimmersuche geführt hatte.
Da nämlich liess sich Bruford anlässlich eines Yes-Konzertes in der University of Leeds von seinen alten Kumpels breitschlagen, doch wieder einzusteigen: die Band klang, "als würde sie einen Sack Kohlen die Treppe raufschleppen", der Drummer hing "einen ganzen Beat hinter den anderen" - und der Ausblick war so übel nicht:  "nächsten Dienstag als Vorgruppe beim Abschiedskonzert von Cream in der Royal Albert Hall."
Nun promoviert Bruford dort, wo er in den Jahren vor Veröffentlichung seiner exzellenten Autobiographie auch schon als Dozent tätig war, an der University of Surrey in Guildford.
Laut Universitätswebseite ist sein Ziel "eine theoretisch fundierte Kultur-Psychologie des westlichen Schlagzeugers", im Grunde eine Forführung seiner Autobiographie, die sich bereits wie eine Übung in Musiker-Soziologie liest.
Mit den Neurowissenschaften hat er es nicht so, sein Ansatz ist denen "diametral entgegensetzt", eine Perspektive eher der "Sozial-Ethnografie und Musikpsychologie".
Dafür muss Bruford wieder reisen, denn seine Forschungsobjekte leben "verstreut von Guildford bis Los Angeles".
erstellt: 17.12.13
©Michael Rüsenberg, 2013. Alle Rechte vorbehalten