Dass es voll sein würde, verrieten schon die vielen im Hof  der Wissmannstr. 30 in Köln-Ehrenfeld abgestellten Fahrräder.
Oben im dritten Stock sassen sie dann bis in den Schankraum: Hayden hielt Hof, wieder einmal, Hayden Chisholm, der wohl profilierteste unter den profilierten Musikern, die vom Loft aus in alle Welt gestartet sind.
Sicher, er hat schon gespielt mit Achim Kaufmann, p, Träger des Deutschen Jazzpreises 2015, mit Petter Eldh, b, und Jonas Burgwinkel, dr - aber eben noch nie in dieser Besetzung, in diesem Quartett.
Es wurde ein denkwürdiger Abend, weitaus weniger mikrotonal als erwartet. dafür cool, neo-cool, in voller Breite, mit flötenhaftem Altsaxophon, Piano-Tupfern a la Bill Evans (boah, hat der Kaufmann ein Geschick, die Töne zu setzen, hintendran noch einen, während das Resttrio wieder in den A-Teil einbiegen will), Petter Eldh mit einem wahnsinnig klingenden Holz.
Das war Jazz, gewissermaßen Jazz-Jazz, weil er so gut wie nichts von außen, von anderen Gattungen hereinholt und sich begnügt, seine „eigenen“ Chancen & Risiken zu entfalten.
Hayden Quartett LOFT 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Es war eine Premiere, tags drauf geht es nach Belgrad, in die dritte Heimat des Bandleaders, in die Stadt - so lesen wir am Vortag in der FAS - die „wegen ihres ausschweifenden Nachtlebens mit Berlin verglichen“ wird.
Die Jazzpolizei ist gespannt, wie die kulturhungrigen Serben diesen Sound dechiffrieren.
Im Gegensatz zu seinem auch dort nun durchgeführten „Plush“-Festival lässt der Wahl-Belgrader Chisholm in diesem Format nichts Balkanisches anklingen.

Foto: Peter Tümmers

erstellt: 12.09.17
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