Man ist selbstverständlich versucht, das Deutsch-Niveau des Mannes (A2, „Elementare Sprachverwendung“) in Beziehung zu setzen zum anderen Ende der Fahnenstange, wo er als Künstler rangiert.
Julian Argüelles, geboren 1966 in Birmingham und britisch-katalanischer Abstammung, bemüht sich redlich um Deutsch als Fremdsprache.
Das ist Verständnis und Beifall wert; es haben schon Kollegen von ihm Jahrzehnte länger in diesem Lande ihr Einkommen erzielt und dabei vom Einverständnis der Einheimischen gezehrt, den - meist - Amerikaner ´raushängen zu lassen.
Dass er sich müht, hat zu tun mit seinen Jahren in der HR Big Band (2006- 2011) und jetzt als Professor für Saxophon an der Hochschule in Graz.
Auch als Halbbrite kann Argüelles, der jüngere, von falschen Artikeln und Präpositionen sich leicht hinüber retten in britischen Humor. Oft reicht dafür schon ein einziges Wort - und schon wird aus dem showstopper ein kleiner Gag.
Julian Argüelles war im Stadtgarten Köln, auf Einladung des Cologne Contemporary Jazz Orchestra, das er mit seinen Kompsitionen in seine 16. Saison führte.
Als Saxophonist und Komponist ist er die HR Big Band gewohnt; dass er die Kölner, die als Freiberufler nicht ständig in der selben Besetzung hinter den Pulten hocken, lobt, spricht Bände.
Selten hat man zudem eine Big Band mit soviel Einverständnis und Spaß miteinander erlebt wie gestern CCJO & Julian Argüelles.
Und das nach nur 2 Tagen Proben, bei lachhaften Gagen.
CCJO Arguelles 1 1

Die Jazzpolizei räumt ein: sie war denn doch überrascht von der kompositorischen Potzenz des kleineren Argüelles. Hallo! Was für ein nuanciertes Programm! Und was für eine Freude, mit der es  umgesetzt wurde!
In Erinnerung bleiben vor allem zwei Stücke; eines als Widmung für Evan Parker, das als eintaktiger (!) vamp ausschwärmt sowie „Mischmasch“, eine rhythmisch ver-rückte Paraphrase auf „Green Onions“ von Booker T. & The MGs, wie die Jazzpolizei am Anfang und am Ende dieser Suite meinte erkannt haben zu dürfen.
Nicht immer strebt Argüelles (ganz nebenbei auch ein vorzüglicher Tenorist) solche formal geschlossenen Bögen an, manchmal muss man einfach auch mit Einzelteilen vorlieb nehmen, beispielsweise einer schönen Minimal-Passage, wie er sie vermutlich mit John Hollenbeck bei der HR Big Band in Frankfurt einstudiert hat.

Foto: Peter Tümmers

erstellt: 11.09.17
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