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JACQUES SCHWARZ-BART Jazz Racine Haiti *******

01.Kouzin (trad, arr: Schwarz-Bart), 02. Banda, 03. Blues Jon Jon (Schwarz-Bart), 04. Bade Zile (trad, arr: Schwarz-Bart), 05. Night (Schwarz-Bart), 06. Kontredans, 07. Sept Fe, 08. Vaudou Zepole (trad, arr: Schwarz-Bart), 09. Je vous aime Kongo, 09. Legba nan Baye

Jacques Schwarz-Bart - ts, Erol Josué - voc (1,2,9), Rozna Zila - voc (4,8,10), Stephanie McKay - voc (6), Etienne Charles - tp, Alex Tassel - flh (5,6), Miran Milanovic - p, Gregory Privat - p (5,6), Ben Williams - b, Reggie Washington - bg (5,6), Obed Calvaire - dr, Arnaud Dolmen - dr (5,6), Gaston "Bonga" Jean Baptiste - perc, Claude Saturne - perc (5,6)

rec. 16./20./21.11.2012
Motéma/Membran 233811, LC 29284


Chapeau Brotherjacques! Du hast bis dato in der Jazzcity zwar keine so rühmliche Resonanz (das hatte seine Gründe, davon wollen wir nicht abrücken.)
Aber mit Deinem neuen Album soll sich das ändern, jetzt wo Du den Fokus von Guadeloupe weiter nord-westlich nach Haiti verschoben hast.
Wir wollen hoffen, dass Dir nicht noch mal jemand ein Etikett anheftet wie 2008, Du artikuliertest „als erster Musiker einen möglichen Jazz der Obama-Ära.“ Es hinge Dir wie ein Mühlstein am Hals.
Obwohl, beim Thema „Jazz & Voodoo“ könnte der eine oder andere mal wieder auf krumme Gedanken kommen...
Übrigens, uns in der JC interessiert nicht, ob Dein Bezug zu Voodoo-Melodien ein authentischer ist (wir haben uns mit Musikethnologen wie Raimund Vogels von diesem Begriff verabschiedet), es reicht uns völlig Deine Absicht, „die Wurzeln dieser Musik noch stärker in einen modernen Jazzkontext zu setzen.“
cover-schwarz-bart-haitiDas ist gelungen. Dein Coltrane´sker ton, Dein Tenor-shouting, die beiden exzellenten Blechbläser Etienne Charles und Alex Tassel, die sehr flexible Rhythmusgruppe (Obed Calvaire in track 7!) sind Ausweis genug.
Nicht zu vergessen Milan Milanovic (von welcher Karibikinsel der wohl stammt?), in „Sept Fe“; wie er sein Solo anlegt, bluesig suchend zunächst, mit plötzlichen funky-Akzenten und dann perlt, perlt, perlt, um mit resoluten Akkorden zu schließen, das steht in bester Jacky-Terrasson-Tradition (für den Du ja auch gearbeitet hast.
Na, und Dein eigenes Solo, und wie die Rhythmusgruppe mitgeht - aber hallo!
Überhaupt „Sept Fe“, wer einen süffigen Neo-Hardbop-vamp hören will, über drum´n´bass-Flackern, der steuert sogleich diesen track an: dieser vamp kann mit den besten von Freddie Hubbard mithalten.
Das 2-Takte-riff von „Blues Jon Jon“ ist auch nicht ohne, hier steigst Du sicher ins obere Register, und auch Etienne Charles gibt eine Prachtvorstellung.
Brotherjacques, tut uns leid, für Jazz-eingemessene Hirne sind diese Instrumentals nun mal die Höhepunkte des Albums.
Wobei wir nicht verkennen wollen, welche Leistung darin steckt, ein Vokal-Tenor-Duo wie das mit Rosna Zila in „ Legba nan Baye“ so leicht erscheinen zu lassen. Klasse.
Auch die scattende Stephanie McKay in der tänzelnden Samba „Kontredans“ hat was, obwohl sie wohl weit weg führt von Haiti.
Wir wollen Erol Josué nicht vergessen, vor allem nicht in der 2-Tempi-“Banda“, deren Hardbop/Latin-Gewand früh den stilistischen Zuschnitt dieses Albums anzeigt.

erstellt: 13.01.14
©Michael Rüsenberg, 2014. Alle Rechte vorbehalten