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GRONINGEN GUITAR DUO The Crimson King Fantasy *******

01. Lark´s Tongues in Aspic (Cross, Fripp, Wetton, Bruford, Muir), 02. Frame by Frame (Belew, Bruford, Fripp, Levin), 03. Thrak (Belew, Bruford, Fripp, Gunn, Levin, Mastelotto), 04. The sheltering Sky (Belew, Bruford, Fripp, Levin), 05. Vrooom (Belew, Bruford, Fripp, Gunn, Levin, Mastelotto),06. Fracture (Fripp)

Remco de Haan - g, Erik Westerhof - g

rec. 09.+10.06.06
GG-records GG 0703

Die Kanonisierung des britischen Art Rock, namentlich King Crimson, kommt mit dieser Produktion einen entscheidenden Schritt voran. Bis dato wurden die cover versions von Crimson-Kompositionen mehr oder weniger in der weitläufigen stilistischen Verwandtschaft abgelegt, der äußerste Punkt darunter brachte die Erkenntnis hervor, dass sich die Musik von King Crimson auch einem Jazz-Zugriff nicht entzieht.
Nun aber ist
Robert Fripp, der mastermind von King Crimson, dort angelangt, wo Frank Zappa sich schon lange befindet - im Lager abendländischer Auffassungen von Musik.
Und zwar dank
Remco de Haan und Erik Westerhof, die seit 1980 als Groningen Guitar Duo firmieren, seit ihrem Studium am Konservatorium der Stadt. In diesen langen Jahren haben sie so einiges aus der näheren und ferneren Umgebung eines klassischen Gitarren-Duos interpretiert: Bach, De Falla, Albeniz, Schumann, Piazzolla, mit dem achten Album ("The John McLaughlin Suites") haben sie sich schon viel weiter aus ihrem Beritt gewagt. Das zehnte ist, wie sie in den liner notes schreiben, "noch mehr von der klassischen Musik entfernt als die Musik von John Mclaughlin".
Und weiter: "Der große Einsatz von Elektronik, Klangeffekten und die ´traditionelle` Pop-Besetzung machen das Arrangieren dieser für zwei klassische Gitarren fast unmöglich."
Dem klingenden Resultat freilich sind solche Mühen nicht anzumerken. Vielleicht haben de Haan & Westerhof (szenetypisch?) übertrieben, wahrscheinlicher aber ist, dass die
Architektur dieser Musik, von allem klangfarblichen Plunder befreit, immer noch über so strahlende Konturen verfügt.
Die Themen beispielweise, in ihrem "eckigen", staccato-haften Gestus, scheinen zwei akustischen Gitarren viel leichter zuzufallen als einem eher "runder",
legato ortierten Ensemble wie dem Crimson Jazz Trio.
Natürlich haben de Haan & Westerhof editieren und arrangieren müssen, über das Wie & Wo führen sie wortwörtlich
minutiös Protokoll. Der timecode jeder ihrer Bearbeitungen ist in Sektionen aufgeteteilt, mit Verweisen nicht nur auf die Originalquellen (welches Stück von welchem Album), sondern auch noch auf den Zeitabschnitt dort.
Auf diese WEise
liest man eher als man hört, dass die beiden hier zsuammenfügen, was damals gar nicht zusammengehörte. Die leichteste Übung: die Teile I und II von "Larks´ Tongues in Aspic" (übrigens original nicht 1970, wie es hier heißt, sondern 1973 veröffentlicht) um den Teil III (aus "Three of a Perfect Pair", 1984) zu ergänzen. Schon ein wenig hintersinniger: bei "Thrak" nochmals eine Sektion aus "Larks´ Tongues" einzufügen.
Das liest sich komplizierter als es klingt. Eine große Errungenschaft jedenfall ist, dass das Groningen Guitar Duo Thematik & Dynamik dieser Musik verlustfrei in eine ganz andere Klangsprache transponiert. Die beiden Musiker haben erkennbar weniger Schwierigkeiten bei dieser Übung als beispielsweise das
Radio String Quartet in der Adaption des Mahavishnu Orchestra.
Der Grund mag darin liegen, dass das das Groningen Guitar Duo auf
Improvisation und swing verzichtet - beides kommt bei King Crimson vor. Denn wenn es - neben der kurzen CD-Laufzeit von 29:52 - einen Wermutstropfen gibt, dann den, dass es das große Schlachtroß ignoriert: man wüsste doch nur allzugern, wie "21st Century Schizoid Man" für zwei klassische Gitarren klingt!

erstellt: 14.09.07

©Michael Rüsenberg, 2007, Alle Rechte vorbehalten